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„Sanktionen helfen bei schlechten Noten nicht weiter“

Von Ulrich schönborn

Frage:

An diesem Freitag gibt es Halbjahrezeugnisse. Wir sollten denn Eltern auf schlechte Noten reagieren?

Naendorf:

Erster Tipp: Ruhe bewahren, eine Tasse Kaffee trinken und nicht spontan reagieren. Noten sagen zwar etwas aus über die schulische Leistung, aber gar nichts über die Lebenstüchtigkeit oder den persönlichen Wert eines Menschen. Die Eltern sollten sich da auch einfach mal an ihre eigene Schulzeit erinnern.

Frage:

Aber wenn zum Beispiel die Versetzung gefährdet ist, müssen Eltern doch irgendwie reagieren?

Naendorf:

Das ist richtig. Wenig hilfreich ist es aber, Vorträge zu halten, zu schimpfen oder Sanktionen zu verhängen – das führt in der Regel nicht zum gewünschten Erfolg, sondern zu Trotz- und Frustreaktionen bei den Kindern. Wichtig ist, die Kinder nach eigenen Erklärungsversuchen zu fragen, gemeinsam zu schauen, woran die Schulprobleme liegen können, und gemeinsam auch Lösungswege zu suchen.

Frage:

Welche Möglichkeiten gibt es da?

Naendorf:

In der Beratungsstelle haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Probleme nicht erst mit dem Zeugnis auftauchen, sondern es schon vorher viele Hinweise gibt – zum Beispiel in Form der blauen Briefe. Wichtig ist, dass Eltern regelmäßigen Kontakt zur Schule und zu den Lehrern halten und sich auch für die Schule ihrer Kinder interessieren. Dann wissen sie auch, was läuft und können früh gemeinsam mit den Lehrern reagieren. Es ist im übrigen auch sinnvoll, nicht nur Kontakt zur Schule zu suchen, wenn es Probleme gibt. Denn dann ist das Verhältnis meistens negativ besetzt.

Frage:

Wir hören immer wieder, dass sich Schüler in allen Schulformen, auffallend häufig aber in Gymnasien, über Stress beklagen. Ist das eine Modeerscheinung, oder steckt da tatsächlich ein Problem dahinter?

Naendorf:

Wir nehmen das ähnlich war. Während wir vor Jahren Probleme eher an den Hauptschulen hatten, merken wir jetzt, dass die Gymnasien genauso betroffen sind. Das geht auch oft in Richtung Mobbing. Was man an allen Schulformen bemerkt, ist ein enormer Leistungsdruck. Oft sind es gerade leistungsstarke Schüler, die hier Schwierigkeiten haben und zum Beispiel über eine Zwei auf dem Zeugnis furchtbar enttäuscht sind, weil sie ja auch eine Eins haben könnten.

Frage:

Apropos Zwei und Eins: Viele Kinder und Jugendliche bringen ja auch gute und sehr gute Zeugnisse mit nach Hause. Wie sollten denn da die Eltern reagieren?

Naendorf:

Sie sollten sich freuen und feiern, zusammen mit ihren Kindern essen gehen oder einen Ausflug unternehmen. Letzteres gilt übrigens auch für Familien, wo die Kinder Schulprobleme haben. Gemeinsame Aktivitäten geben den Kindern Zuversicht und Vertrauen und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Das alles sind wichtige Grundlagen für die Lösung von Problemen.
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