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Integration „Merhaba, iek bale Seeltersk“

Thomas Neunaber

SCHARREL - Die Zahl „Eins“ kann Okan Sezer in vier Sprachen übersetzen: „One“ heißt es auf Englisch, „Uno“ auf Spanisch, „Bir“ in seiner Muttersprache Türkisch und „Een“ auf Saterfriesisch. Alle vier Sprachen spricht Okan bzw. ist dabei, sie zu lernen. Die Lieblingssprache des türkischstämmigen Jugendlichen aus Scharrel ist – man sollte es kaum glauben – Seeltersk.

Seeltersk im Kindergarten

„Ich habe es schon als kleiner Junge spannend gefunden, wenn sich die Saterfriesen in ihrer Heimatsprache unterhalten haben“, erinnert sich der 17-Jährige. Deshalb wollte er im Kindergarten in Scharrel – wie die kleinen Saterfriesen – Seeltersk lernen. Der Unterricht bei Adelheid Pörschke machte ihm so viel Spaß, dass er in der Grundschule und später in der Realschule in Ramsloh weiter Saterfriesisch lernte und las.

„Meine Eltern fanden es gut, dass ich mich hier für die Kultur und Sprache interessierte“, berichtet Okan. Viele alteingesessene Saterfriesen aus der Nachbarschaft wissen um Okans Leidenschaft fürs Saterfriesische. „Wenn ich zum Beispiel unseren Nachbarn Theo Deddens treffe, sprechen wir nur Saterfriesisch. Und auch bei Festen in Scharrel spreche ich mit vielen Seeltersk. Das ist viel unkomplizierter als auf Hochdeutsch und man hat sofort einen guten Draht zueinander. Man hat unter Saterfriesen irgendwie das Gefühl, dass man sich schon lange kennt“, weiß der gebürtige Barßeler.

Er ist überzeugt, dass ihm seine Sprachkenntnisse bei der Integration geholfen haben. „Ich finde es wichtig, dass man sich für die Kultur der Gegend, in der man lebt, interessiert. Viele Saterfriesen freut es, wenn man sich als Kind mit ausländischen Wurzeln für das Saterfriesische interessiert“, sagt der 17-Jährige. Deshalb hat er auch seine Tante unterstützt in dem Bestreben, ihren kleinen Sohn Seeltersk lernen zu lassen. „ Die gemeinsame Sprache ist eine Brücke zwischen den Kulturen“, sagt Okan Selzer. Dankbar ist er den Scharrelern, dass sie ihm nie das Gefühl gegeben haben, dass er nicht dazu gehört.

Ausgezeichneter Vorleser

Für ihn ist das Saterland zu seiner Heimat geworden, in der er sich wohlfühlt. Ein Zurück in die Heimat seiner Eltern kommt für ihn derzeit nicht in Frage. „Für mich ist die Türkei das schöne Land wohin ich fahre, um meine Großeltern zu besuchen“, sagt der Saterländer.

Stolz ist der 17-Jährige, dass er für seine Sprachfähikeiten im vergangenen Jahr einen Preis bekam. Okan nahm am Saterfriesischen Vorlesewettbewerb teil. In der Altersklasse der 9. und 10. Jahrgangsstufe belegte er den 2. Platz hinter Jan Kruse. „Mit Jan spreche ich auf meiner neuen Schule, dem Wirtschaftsgymnasium in Friesoythe, in den Pausen und auf dem Schulweg regelmäßig Seeltersk“, berichtet er.

Er würde sich freuen, wenn andere Kinder und Jugendliche seinem Vorbild folgen, und Seeltersk lernen. „Man kann nicht früh genug damit beginnen“, weiß er aus eigener Erfahrung.

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