Schierbrok - 15 Kindertagesstätten befinden sich in Trägerschaft der Gemeinde Ganderkesee, 14 davon werden von einer Frau geleitet. Nur im Kinderhort Schierbrok hat ein Mann das Kommando: Seit dem 1. August steht hier Matthias Groß an der Spitze des fünfköpfigen Erzieher-Teams.
Damit hat der 45-Jährige in den kommunalen Kita-Einrichtungen ein Alleinstellungsmerkmal – noch, wie er selber glaubt: „Das ist ein Prozess, der sich gut entwickelt“, sagt Groß mit Blick auf die Zukunft. Derzeit stehen den elf männlichen Erziehern in den Ganderkeseer Horten, Krippen und Kindergärten zwar noch rund 100 weibliche Fachkräfte gegenüber, aber der Trend geht in die richtige Richtung. „Kinder brauchen den männlichen und den weiblichen Part in den Einrichtungen“, fasst der Schierbroker Hort-Leiter zusammen, was Bildungs- und Erziehungs-Experten seit Langem fordern.
Matthias Groß selber ist schon seit fast drei Jahrzehnten in der Kindererziehung tätig. Nach der Ausbildung – zunächst zum Kinderpfleger, dann zum Erzieher – hat der gebürtige Braker sechs Jahre eine Jugend-Wohngruppe im Elmeloher Wichernstift betreut und sich dann selbstständig gemacht: „Ich wollte schon immer Pflegekinder aufnehmen“, erzählt er. So machten er und seine Frau 1999 das Wohnhaus in Hude zum Kinderheim und hatten neben den drei eigenen Töchtern immer drei Pflegekinder zuhause, darunter auch schwierige Fälle. „Das war ein 24-Stunden-Job, in dem auch viele Auseinandersetzungen geführt werden mussten“, erinnert sich Groß.
18 Jahre Pflegekinder
Weil auch seine Familie schließlich zu verstehen gab, es sei genug, ließ Matthias Groß das Kinderheim mit dem letzten Pflegekind jetzt nach 18 Jahren auslaufen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er sich erfolgreich auf eine halbe Stelle als „Springer“ in den Ganderkeseer Kitas beworben und als nun die Leitung des Hortes in Schierbrok neu zu besetzen war, dachte er sich: „Das passt!“ Und es passte auch für die Gemeinde.
Mit seinem Vorgänger Lars Kück war der 2011 eingerichtete Hort auch vorher schon unter männlicher Leitung. Zudem arbeiten dort mit Ingo Gahr und Felix Bollhagen noch zwei weitere Männer als Erzieher. Das ist reiner Zufall und spielt für Groß auch keine Rolle: „Wichtig ist, dass man in der Arbeit den Kindern ein Vorbild ist, egal ob Mann oder Frau.“
Das Vorbild, das Matthias Groß gibt, kann aber schon dazu dienen, überkommene familiäre Rollenklischees aufzubrechen. „Ich koche gern, ich mache auch den Abwasch“, erzählt er, „das bekommen die Jungs hier natürlich mit.“ In der täglichen Arbeit, betont Groß, sei das Geschlecht aber nicht ausschlaggebend: „Wir gucken, wer welche Stärken hat, und verteilen die Aufgaben entsprechend.“
Täglich Programm
Die Schwerpunkte wechseln täglich: Montags steht nach Mittagessen und Hausaufgaben Hauswirtschaft auf dem Programm, dienstags wird vor allem gespielt, mittwochs ist Sport an der Reihe, donnerstags wird die Kreativität der Kinder herausgefordert. „Und freitags“, so Groß, „suchen wir uns oft spontan etwas aus oder unternehmen Ausflüge“. 29 Halbtags-Plätze bietet der Hort in Schierbrok, immer von 12.40 bis 17.20 Uhr. Weitere acht sogenannte Sharing-Plätze teilen sich jeweils zwei Kinder im Verlauf der Woche.
Die Arbeitsbedingungen empfindet der Hortleiter als sehr gut: Zwei Hausaufgabenräume und zwei Gruppenräume stehen zur Verfügung, dazu die Küche und ein Büro. Und draußen ist auch reichlich Platz, soviel sogar, dass dort im nächsten Jahr ein Gemüsegarten angelegt werden soll. „Ich bin hier sehr zufrieden“, betont Matthias Groß mit lautem Lachen, „ich fahre jeden Tag glücklich zur Arbeit!“
