Wildeshausen - Die Wildeshauser Wallschule ist in die Jahre gekommen. Vor zwölf Jahren erbaut und auf einem wunderschönen Gelände an der Hunte gelegen, platzt die Grundschule inzwischen nicht nur aus allen Nähten, sondern wirkt auch ungepflegt.
Entsprechend betroffen zeigen sich die SPD-Ratsmitglieder beim Ortstermin am Mittwoch. „Es fehlt an allen Ecken und Enden“, klagt Rektorin Roswitha Remmert. Der Hausmeister sei seit den Osterferien krank, und auch die beiden Putzfrauen mit ihren jeweils vier Stunden pro Tag kämen gegen den Schmutz von mehr als 400 Schülern nicht an.
„Der Hausmeister von der St.-Peter- und Holbeinschule hilft uns aus, und auch der Bauhof war hier, aber das reicht natürlich nicht“, sagt Remmert und weist auf zugewucherte Grünflächen, abgesperrte marode Spielgeräte und versandete Türspalten. „Weil soviel Sand in den Ritzen ist, funktioniert das Schließsystem nicht richtig“, berichtet sie.
„Ich sehe nur darin eine Lösung, eine zusätzliche Fachkraft beim Bauhof einzustellen, die in genau diesen Notsituationen aushilft“, regt Hartmut Frerichs an.
Doch die Liste der Probleme ist viel länger. Putzschäden im unteren Bereich der Eingangssäulen sind nicht zu übersehen. „Die Fensterscheiben werden nur einmal pro Jahr geputzt, und die Rahmen sind längst zugestaubt“, führt Remmert weiter aus. Auch die Toiletten röchen immer wieder unangenehm und seien oft so dreckig, dass die Kinder sie nicht mehr benutzen wollten, ergänzt Ulrich Becker, der in einer Doppelfunktion als SPD-Ratsherr und Lehrer an der Wallschule vor Ort ist.
„Sie haben nur zwei Reinigungskräfte für das ganze Gebäude hier?“, möchte SPD-Fraktionsvorsitzende Evelyn Goosmann wissen. „Ja, das wurde vor einiger Zeit von drei auf zwei Frauen heruntergekürzt, obwohl ich kurz zuvor den gesamten Rat zum Ortstermin da hatte“, berichtet Remmert.
Es sei ja allgemein bekannt, dass es heutzutage allerorts knallharte Verträge mit Reinigungsfirmen gebe, die keine Spielräume zuließen, bemerkt Stephan Diekmann. „Hier müssen wir genaue Standards formulieren und an die Verwaltung weitergeben“, fordert er.
Aber da ist auch noch das Platzproblem. Bislang steht ein Container auf dem Schulhof, in dem der Werkraum untergebracht ist. In den Sommerferien wird ein zweiter Container aufgestellt werden, um den steigenden Schülerzahlen Herr zu werden.
Remmerts Hoffnungen auf einen Anbau für fünf Klassen samt inklusivem Bereich schätzen die SPD-Ratsmitglieder jedoch als wenig realistisch ein. Dem stünden nicht nur die Kosten von geschätzt 1,5 Millionen Euro entgegen, sondern auch die prinzipiell sinkenden Schülerzahlen.
Außerdem gebe es dann noch die Frage, ob man nicht lieber eine neue Schule im Neubaugebiet „Am grauen Immenthun“ baue. „Wir sollten einen Anbau derzeit nicht anpacken, auch wenn gerade der Zuzug ausländischer Kinder, deren Eltern in Wildeshausen Arbeit suchen, schwer zu kalkulieren ist“, gesteht Frerichs zu. Völlig überrascht reagierte am Donnerstag die Stadt auf die erhobenen Vorwürfe. „Die Reinigung der Wallschule ist seit mehreren Monaten ein gemeinsames Thema von Schulleitung, Stadt und Reinigungsunternehmen“, betonte Hans Ufferfilge gegenüber der NWZ . Natürlich habe man zudem aufgrund der langen Abwesenheit des Hausmeisters nachgebessert und den Bauhof sowie eine Fremdfirma eingesetzt.
Bislang hätten der Verwaltung keine neuen Erkenntnisse über Missstände vorgelegen. Die Aufstockung des Bauhofs um eine Allrounder-Handwerkerkraft sei jedoch sicherlich als guter Ansatz zu werten.
