Am Freitag gab es Zeugnisse. Die NWZ  hat mit Andrea Terbrack, Erzieherin und Begabtenpädagogin, über das richtige Elternverhalten rund um Zeugnisse gesprochen.

Frau Terbrack, das Zeugnis ist da und leider nicht so gut ausgefallen, wie die Eltern sich das gewünscht haben. Wie sollten Eltern mit schlechten Noten ihrer Kinder umgehen?

TerbrackDie Eltern sollten die schlechten Noten eines Zeugnisses nicht in den Vordergrund des Gesamtbildes stellen. Auch finde ich es falsch, dem Kind aufgrund von schlechten Noten Vorwürfe zum vergangenen Lernverhalten zu machen oder es zu bestrafen. Besser ist es, zu fragen wie denn diese Noten zustande gekommen sind und was das Kind selbst ändern könnte.

Und was tun bei guten Noten?

Terbrack Gute Noten sollten hervorgehoben und gelobt werden. Sie verdienen im Gespräch die hauptsächliche Aufmerksamkeit und Bestärkung. Denn wenn Kinder gute Noten erreichen wollen, brauchen sie Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Und dann noch fünf Euro obendrauf?

Terbrack„Geld für gute Noten“, da sage ich nicht nein. Es erzielt aber häufig einen besseren Effekt, wenn es aus der Verwandtschaft kommt, zum Beispiel von Großeltern oder Paten, weil es da einen anderen Stellenwert hat.

In manchen Haushalten schlägt der Zeugnistag gleich doppelt zu. Wie reagieren Eltern, wenn Geschwister unterschiedliche Zeugnisse mit nach Hause bringen?

TerbrackLeider vergleichen sie die Noten häufig, und die Kinder merken es. Aber, jedes Kind ist etwas Besonderes und braucht Anerkennung seiner Stärken. Nur dann lassen sich Schwächen besser bearbeiten und beheben.

Hat der Zeugnisdruck zugenommen?

TerbrackJa, denn Medien, Computer, Handys beeinflussen die zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Konkurrenzkampf ist größer geworden und somit auch der Druck auf Zeugnisnoten.