SCHORTENS - „Viele Eltern vermuten wohl, dass das Vorbild der IGS Wilhelmshaven eins zu eins auf Schortens übertragen wird“, sagt eine Elternvertreterin der Realschule Schortens am Montag. „Offenbar laufen da viele einem Traum hinterher, der sich hier so nicht verwirklichen lässt.“

Die Hauptschule und Realschule in Schortens sind Kandidatrn für die neue Integrierte Gesamtschule (IGS) Friesland, die ab dem nächsten Schuljahr mit Jahrgang 5 langsam von unten aufwachsen soll und damit nach sechs weiteren Jahren die bisherige Haupt- und Realschule vor Ort vollständig abgelöst haben wird. Doch die in den letzten Tagen schärfer gewordenen Konturen für eine IGS Friesland, für die bis zum 5. September eine Elternbefragung läuft, haben bei Schulleitungen und Lehrerkollegien der Realschule Schortens und des Mariengymnasiums viele neue Fragen aufgeworfen.

Kritik der Lehrer und der Elternvertreter aus dem Schulvorstand entzündet sich vor allem an der Absicht, in einer IGS Friesland nur so genannte offene Ganztagsangebote zu machen. (Verpflichtender) Nachmittagsunterricht sei nicht vorgesehen, es seien nur freiwillige Angebote geplant. Und die würden, so Realschulleiterin Marion Gerdes-Ufken, wohl Honorarkräfte übernehmen, weil es für die IGS keine zusätzlichen Lehrerstunden geben soll. „Das ist nicht das, was eine echte IGS ausmacht“, so Gerdes-Ufken.

Fragezeichen stehen laut Gerdes-Ufken und ihres Lehrerkollegiums deshalb auch hinter der Klientel für die künftige IGS in Schortens. Kinder mit einer Empfehlung für das Gymnasium würden wohl von ihren Eltern zu einem ganz großen Teil weiterhin auf das benachbarte Mariengymnasium geschickt werden. Zumal unklar sei, ob an der IGS Friesland überhaupt eine gymnasiale Oberstufe eingeführt wird. Die würde zwar erst ab 2015 gebraucht – „dennoch muss bei insgesamt rückläufigen Schülerzahlen die Frage erlaubt sein, wo die Schüler für ein weiteres Oberstufenangebot herkommen sollen“, sagt die Schulleiterin des Mariengymnasiums, Dorothe Levin. Zudem müssten IGSler nach der zehnten Klasse, die dann auf das MG wechselten, die zehnte Klasse wiederholen. Denn an Gymnasien machen Schüler das „Turbo-Abitur“ nach der zwölften Klasse, an einer IGS (mit Oberstufe) erst nach der 13. Klasse.

Viele Lehrer befürchten daher, dass eine IGS Friesland tatsächlich nur bisherige Haupt- und Realschüler versammeln könnte, der integrative Gedanke auf der Strecke bleibt. Und: Schortenser Eltern, die ihre Kinder auf eine Realschule schicken wollen, könnten dann nur noch mit dem Schulstandort Sande Vorlieb nehmen. „So wie es im Moment geplant ist, wird das eine große Mogelpackung“, sagen etliche Realschullehrer.