SCHORTENS - Verständnisloses Kopfschütteln im Schortenser Rathaus und in den Lehrerzimmern: Angeblich sollen Schortenser Grundschulen bei den Schülerzahlen getrickst haben, um Klassen mit möglichst wenigen Schülern bilden und so zusätzliche Lehrerstellen vom Land beanspruchen zu können.
So jedenfalls lautet der Vorwurf des niedersächsischen Landesrechnungshofes (LRH), der in dieser Vorgehensweise „einen schweren Fall von Steuergeldverschendung“ entdeckt zu haben glaubt. Neben Schulen im Emsland und im Kreis Goslar hat die Behörde in ihrem Bericht, der nächste Woche dem Kultusministerium vorgelegt wird, auch Fälle in Schortens genannt.
So sollen Schülerzahlen manipuliert worden sein, indem Eltern zum Beispiel überzeugt wurden, ihr Kind früher einzuschulen oder ihr Kind im benachbarten Schulbezirk anzumelden.
In Schortens liegen die vier fraglichen Grundschulen in einem Umkreis von rund zwei bis drei Kilometern, sagt LRH-Vizepräsident Fritz Müller. Die Kritik des Landesrechnungshofs: Mit kleinen Änderungen der Schulbezirke könnten acht Klassen gespart und könne das Land rund 500 000 Euro Personalkosten sparen.
„Der Vorwurf der Trickserei ist völliger Unsinn“, sagt Tom Becker, Schulleiter an der Grundschule Schortens. An seiner Schule besuchten pro Jahrgang zwischen 34 und 54 Kinder die Schule. Das seien deutlich mehr als die vom Land vorgeschriebenen 28 Kinder, ab der eine Klasse zwingend in zwei Klassen geteilt werden muss. „An unseren Klassenstärken kann man schon ablesen, dass es da nichts zu tricksen gibt“, sagt Becker.
Ähnliche Reaktionen auch bei den Schulleiterinnen in Oestringfelde und Jungfernbusch, Heike Riese und Doris Kache. „Hier wird und wurde nicht geklüngelt“, sagt Heike Riese. „Tricksen geht nicht“, betont Doris Kache. Beide Schulleiterinnen weisen auf die eindeutigen Vorgaben der Stadt Schortens als Schulträgerin hin. „Wir können die Kinder nicht herbeizaubern“, sagt Kache. Sollten zum Beispiel Eltern beantragen, dass ihr Kind nicht die für ihren Bezirk vorgesehene, sondern eine andere Grundschule besucht, müssten darüber stets beide Schulen entscheiden.
Auch Gabriele Cohrs, Leiterin der Grundschule Heidmühle, weist die Vorwürfe zurück. „Wir haben nie Eltern zu irgendetwas überredet“, so die Schulleiterin. Im übrigen könne man froh sein, dass die Kinder noch überschaubare Grundschulklassen besuchen. „Die großen Klassen in den weiterführenden Schulen kommen noch früh genug.“
Auf den Vorwurf des Landesrechnungshofs hat am Montag auch die Stadt Schortens reagiert: „Die Aussage, die Stadt habe die Stärke der Klassenjahrgänge gesteuert, entbehrt jeder Grundlage“, sagt Anja Müller als Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters. „Die Klassenbildung in den Schortenser Grundschulen erfolgt auf einer seit dem Jahr 2000 gültigen Schulbezirkssatzung und damit auf einer bestehenden Rechtsgrundlage.“ Bei der vorgezogenen Einschulung so genannter Kann-Kinder oder dem Schulbezirkswechsel sei der Elternwille entscheidend und nicht der Wille der Stadt, sagt Müller.
Anja Müller betont außerdem, dass die Existenz der Schortenser Grundschulen von der Stadt überhaupt nicht in Frage gestellt wird, auch wenn durch den allgemeinen Rückgang der Schülerzahlen die Klassenstärken im Laufe der Jahre abgenommen haben.
Den Vorwurf von Schieberei weist auch Regierungsschuldirektor Volker Beier entschieden zurück: „Von Manipulation kann hier gar keine Rede sein.“ Allerdings habe die Stadt als Schulträger die gesetzlich festgelegte Möglichkeit, über die Schuleinzugsbereiche die Klassenstärken etwas zu steuern.
