SCHORTENS - Alle lieben Wallie: Sheline (12) aus Schortens zum Beispiel, die mit ihrer Mutter Jacqueline Schober und deren Freundin Sabine Bijnen dafür gesorgt hat, dass der kleine Chihuhua dem sicheren Tod noch einmal von der Schippe gesprungen ist. Und die Schüler der Klasse 7 b der Realschule Schortens, die mit einer engagieren Spendenaktion in ihrer Schule, bei Eltern, Freunden und Nachbarn Geld gesammelt haben, damit sie Wallie aus einer Todesstation für Hunde in Spanien freikaufen können. Und natürlich Shelines Klassenkameradin Jessica Hohn, in deren Familie der kleine quirlige Vierbeiner ein neues, liebevolles Zuhause gefunden hat.

Kein Tierschutz in Spanien

Hinter der ungewöhnlichen Hunderettung steckt eine erschütternde Geschichte über den Umgang mit ungeliebten, unerwünschten oder auch streunenden Hunden in vielen Ländern Südeuropas: „Tierheime, wie man sie bei uns in Deutschland kennt, gibt es dort nämlich nicht“, sagt Sabine Bijnen aus Middelsfähr, die vor einigen Jahren im Urlaub in Spanien auf das Hundeleid stieß und zurück in Deutschland gleich aktiv wurde und den Tierschutzverein „Hundeleben retten“ auf die Beine stellte.

Wer seines Hundes oder seiner Welpen überdrüssig ist, gibt die Tiere in einer der zahlreichen Tötungstationen ab: „Ob jung oder alt, gesund oder alt – nach einer Woche in der Station werden die Hunde getötet. Sie werden vergiftet, vergast oder zu Tode geprügelt“, berichtet Sabine Bijnen. Gemeinsam mit ihrem aus den Niederlanden stammenden Mann und weiteren Tierschützern opfert sie viel Zeit und Geld, um Hunde aus diesem Martyrium zu befreien und sie aus den Tötungstationen in liebevolle Hände nach Deutschland oder Holland zu vermitteln.

Die Tierschützerin ist mit Hundetrainerin Jacqueline Schober gut befreundet, die in Addernhausen eine Welpenschule hat. Vor wenigen Wochen nahm deren Tochter im Religionsunterricht die „Bewahrung der Schöpfung“ durch. Dabei ging es auch um die Frage, wie wir mit unseren Mitgeschöpfen umgehen.

In einem Referat berichtete Sheline vom Schicksal der Hunde in den Tötungsstationen und hatte Bilder vom kleinen Chihuahua namens Wallie mitgebracht. Den putzigen Kerl hatte die Tierschützerin aus Middelsfähr über Kontaktleute in Spanien entdeckt und für 30 Euro freigekauft.

Doch Impfungen, Kastration, Entwurmung und weitere Formalitäten bis zur Reise nach Deutschland kosten pro Hund gut 400 Euro. Zudem muss Bijnen immer auch Flugpaten finden, auf deren Namen der Hund aus Spanien mitreisen kann. „Der Hund ist quasi nur ein zusätzliches Gepäckstück.“ Und sie muss liebe Leute finden, die den Hund bei sich aufnehmen wollen.

Die Klasse 7 b war sofort angetan von der Idee, Wallie zu „adoptieren“ und dafür zu sorgen, dass der Chihuahua gerettet werden konnte. Sheline organisierte die Spendenaktion mit ihrer Klasse, ihre Mutter und Sabine Bijnen kümmerten sich darum, Wallie nach Deutschland zu holen.

Wallies erster Schultag

Dann ging alles ganz schnell: Vor wenigen Tagen haben die Schobers, die selbst vier Hunde haben, Wallie auf dem Flughafen Hannover in Empfang genommen, in dieser Woche hatte er seinen ersten „Schultag“ und genoss all die Streicheleinheiten der Schortenser Schüler.

Vier Familien hatten sich bereit erklärt, den Hund bei sich aufzunehmen. Am Ende fiel die Wahl auf Familie Hohn in der Danziger Straße. Für deren beiden Katzen hat der kleine Spanier aber keine Augen: Wallie hat sich nämlich in Schobers Mischling namens „Peanuts“ verliebt. Kein Wunder: „Peanuts“ ist eine feurige Andalusierin.