Elsfleth - Zur Mittagszeit scheint in der Turnhalle an der Wurpstraße die Situation zu eskalieren: drei „Rüpel“ haben ihr „Opfer“ ins Visier genommen und versperren ihm den Durchgang zur Tür. Der Konflikt beginnt mit hämischen Bemerkungen. Das „Opfer“ lässt sich zunächst nicht einschüchtern, es wird angeschrien und schließlich wird gezerrt, festgehalten und letztlich geprügelt. „Wenn das jetzt echt gewesen wäre, hätte ich mich richtig doof gefühlt“, bekennt ein „Opfer-Mädchen“.
Zum Glück ist diese Gewaltszene mit gespielten körperlichen Aggressionen nur ein Rollenspiel, an dem sich die Kinder der 5. Klassen der Oberschule beteiligen.
Dennoch: „Es gab an unserer Schule im vergangenen Jahr unter den Schülern, besonders in den 5. Klassen, häufig Situationen, die Probleme aufwarfen“, sagt die Sozialpädagogin der Oberschule, Annika Sauermann: „Wenn neue Klassenverbände entstehen, kämpfen besonders Jungen erst einmal ihre ’Hackordnung’ aus und sie sind sich ihrer Kraft, die sie gegen Schwächere anwenden, oft gar nicht bewusst.“
Aus diesem Grund hat die Sozialpädagogin den Trainer Norbert Schulze vom Familiensportclub „Yoshin Ryu“, Oldenburg, für das „Selbstbehauptungsseminar“ an der Oberschule gewinnen können. Schulze verfügt seit über 45 Jahren über Kampfsport- und Trainererfahrung mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendausbildung.
„Schon eure Körpersprache entscheidet darüber, ob ihr die Opferrolle annehmen wollt, oder nicht“, erklärt Schulze den Fünftklässlern. „Wer den Kopf hängen lässt macht sich klein und suggeriert dem ’Gegner’ dessen Überlegenheit. Also Kopf hoch, Schultern nach hinten, gerade gehen und keinen zu langen Augenkontakt – das nimmt dem ’Gegner’ den Wind aus den Segeln.“
Das „Selbstbehauptungsseminar“ soll die Schüler nicht nur für Gefahrensituationen sensibilisieren, sondern auch die gewaltfreie Konfliktfähigkeit, das Selbstbewusstsein und die Selbstachtung stärken, sowie die Anerkennung und das Einhalten von Grenzen und Regeln fördern. Bis zu den Weihnachtsferien wird Norbert Schulze mit den Fünftklässlern die Themen „Mobbing – nicht mit mir“, „Gewaltprävention“ und „Grenzen setzen – Nein sagen mit einem guten Gefühl“ erarbeiten. „Wir sind Klasse – wir gehen fair und gerecht miteinander um“ – wenn die Kinder das am Seminarende sagen und auch später umsetzen, dann haben der Trainer und die Schülerinnen und Schüler ihr Ziel erreicht.
