Wardenburg - Großes Stimmen- und Sprachgewirr herrscht in der Lehrküche der IGS Am Everkamp in Wardenburg. Zwischen deutschen und niederländischen Sprachfetzen sind englische Sätze zu hören. An der IGS ist wieder Comenius-Woche. 15 Jungen und Mädchen aus der Partnerschule im niederländischen Aalten, einer Gemeinde in der Provinz Gelderland, erleben fünf Tage lang den Schulalltag in Wardenburg. Gleichzeitig sind 15 Jungen und Mädchen der IGS aus den 7. Und 8. Klassen in Aalten.
Spinat statt Grünkohl
Eigentlich wollten die Niederländer für das „Kochduell“ ja Buurenkohl zubereiten, den die Wardenburger als Grünkohl kennen. Den aber gab es im Supermarkt nicht mehr, deshalb steht Spinat mit Stampfkartoffeln und Schinkenwürfeln auf dem Herd. Als Nachtisch haben die Niederländer Waffeln mit Sahne und Hagelzucker vorbereitet. Noch aber muss Luuk Sarlemijn (14) aufpassen, dass der Spinat nicht anbrennt, deshalb rührt er fleißig. Hind Choujai kümmert sich derweil um die Sauce. Sie ist zum ersten Mal in Deutschland und freut sich darauf, das Leben in ihrer Familie auf Zeit kennenzulernen.
Fahrt nach Hamburg
Lea Rippen hat für das Gericht der Wardenburger Kinder, Spaghetti Bolognese, kleine Mettbällchen gerollt und freut sich jetzt auf das gemeinsame Essen. Sie versteht sich gut mit ihrer niederländischen Austauschschülerin und hält das Comenius-Projekt für eine tolle Sache. In einem sind sich alle Schüler übrigens einig: die Fahrt nach Hamburg ist der Knüller. Dort ist anständig Shoppen angesagt, wenn das Pflichtprogramm erledigt ist.
Damit der Besuch der Niederländer zu einem Erlebnis wird, hat Lehrerin Elke Reichert-Lewioda mit dem IGS-Team, zu dem noch Petra Heister und Rainer Wilhelms (sie betreuen die Wardenburger Gruppe in Aalten) sowie Katrin Klügel und Jenna Schröder gehören, ein buntes Programm erarbeitet. Neben dem Kochen ist ein Kunstprojekt vorgesehen, an einem Tag geht es nach Hamburg, eine Kanufahrt auf der Hunte ist ebenso geplant wie einige Ausflüge.
Gemeinden sind ähnlich
Unter dem Motto „Ähnlich und doch anders“ schaffen die Schülerinnen und Schüler in diesem Projekt vieles gemeinsam. Wenn es Sprachprobleme gibt, dann gilt Englisch als offizielle Projektsprache.
Für Elke Reichert-Lewioda liegt der Reiz des Comenius-Projekts nicht nur darin, dass die Schüler spannende Erfahrungen machen. Sie erlebt die Schüler während des Projektes in neuen Zusammenhängen. „Man lernt die Kinder ganz anders kennen“, sagt sie.
Das bestätigt ihre niederländische Kollegin Sandra van den Bosse, die wiederholt in Wardenburg zu Gast ist. Ihr gefällt es gut in Wardenburg, denn die Gemeinden sind ähnlich. Sie hebt vor allem die sozialen Aspekte des Austauschs hervor, die Schüler bekämen einen Einblick in die jeweils andere Kultur und das Alltagsleben.
Aber auch das Lernen der Sprache sei nicht zu unterschätzen. „Unsere Kinder haben nach dem Austausch deutlich weniger Angst, Deutsch zu sprechen“, berichtet sie über die Erfahrungen mit dem Austausch.
Comenius gehört zu einem Programm für lebenslanges Lernen, das die Europäische Union für den Bildungsbereich aufgelegt hat. Neben Comenius für Schulbildung sind es das Erasmus-Programm für Hochschulbildung, Leonardo da Vinci für Berufsbildung und Grundtvig für Erwachsenenbildung. Diese Programme werden zusammen mit anderen EU-Austauschprogrammen künftig unter dem Namen Erasmus+ fortgeführt.
