Oldenburg - Wie orientiert man sich im Dunkeln? Kann man Schall sehen? Warum gewöhnen wir uns an Gerüche?
Diesen und vielen weiteren Fragen können Schülerinnen und Schüler in der Sinnesschule der Universität Oldenburg auf den Grund gehen. Aus verschiedenen interaktiven Exponaten und Experimenten zur Erforschung der menschlichen Sinne besteht der Exkurs in die Sinneswelt. Diese können von den Schülern selbstständig durchlaufen werden. An einem Tisch müssen Gewürze durch Riechen erkannt werden. „Das riecht auf jeden Fall süß.“, sagt Wing (14). Moritz und Hillal (beide 13) schnuppern ebenfalls: „Das könnte Anis sein“, vermuten die beiden. Die drei Achtklässler sind Schüler des Wahlpflichtkurses Naturwissenschaft am Alten Gymnasium, der die Sinneschule besucht.
Studierende üben Praxis
Engagierte Studierende des Lehramts Biologie erarbeiten Lernkonzepte zu den verschiedenen Sinnen und begleiten die Schüler auf ihren Exkursionen. Im Jahr 2009 wurde die Sinnesschule gegründet, finanziert wurde sie aus Mitteln der Studiengebühren. Acht bis zehn Studenten betreuen im Wechsel die Schulklassen. Begleitet werden sie von Prof. Dr. Corinna Hößle, Leiterin der Didaktik der Biologie. „Die Studenten können in der Sinnesschule den Umgang mit Schülern lernen. Zusätzlich können sie selbst ihre fachliche Sicherheit in den Themen rund um die Sinne testen.“ Ziel sei die konsequente Einbeziehung und Verbesserung der Ausbildung von Biologiestudierenden mit dem Ziel Master of Education. Den Schülern sollen mit der Sinnesschule Impulse für forschend entdeckendes Lernen gegeben werden. „Wir suchen den Kontakt zu den Schulen und wollen die Zusammenarbeit ausbauen“, sagt Hößle.
Seit Anfang Dezember hat das Schülerlabor am Campus Haarentor wieder geöffnet. Zu Beginn wird im Stuhlkreis ein Sinn herausgestellt. Die Schüler können dann Fragen stellen und von Erfahrungen berichten. Susanne Osthövener, Lehrerin für Biologie am Alten Gymnasium, war vor Weihnachten mit dem Wahlpflichtkurs der 8. Klasse zu Gast. „In der Sinnesschule werden die Themen „Hören“ und „Haut“ gut erklärt, die nicht im normalen Kerncurriculum enthalten sind“, sagt sie. „Wir suchen immer auch nach außerschulischen Aktivitäten, an denen die Schüler themenorientiert arbeiten können.“
Die Zusammenarbeit mit der Universität sei dabei eine tolle Kooperation. Auch die anderen Schülerlabore werden gerne genutzt. Im Januar soll am AGO für die 5. Klassen ein Thementag für eine lärmfreie Schule stattfinden. Die Achtklässler könnten dann als Paten die Aktion unterstützen. Verschiedene „Forscherhefte“ für alle Altersklassen begleiten die Exkursion in der Sinnesschule.
Lea, Helena und Josefa sitzen an einem Tisch mit Reagenzgläsern. Sie verbinden sich die Augen und riechen an den Gefäßen. „Anhand des Geruchs müssen wir die Farbe bestimmen“, erklärt Josefa.
An der nächsten Station spielen Lisa (13), Jessica (13) und Franziska (13) ein „Oberflächen-Memory“. Mit verbundenen Augen müssen kleine Kärtchen mit verschienen Oberflächen erkannt werden. „Durch die Experimente werden unsere Sinne gut erklärt“, finden auch Natalie (13) und Philine (14).
Im „Dunkeltunnel“ können die Schüler ihren Tastsinn näher kennen lernen. Mit Füßen und Händen können verschiedene Oberflächen und Gegenstände erfühlt werden.
Neues Labor Wattenmeer
Sieben sogenannte Schülerlabore gibt es mittlerweile in Oldenburg (siehe Infokasten). Im März nächsten Jahres wird im Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) ein weiteres Lernlabor zum Thema Wattenmeer eröffnet. Dort können dann jeweils donnerstags Schulklassen Versuche mit Miesmuscheln oder anderen Meeresbewohnern vornehmen.
Zudem sind Schülerlabore in Oldenburger Schulen geplant. „Wir möchten die Kooperation ausbauen“, sagt Hößle. „Die Studentinnen und Studenten könnten dann in die Schulen kommen.“
Das Angebot der Sinnesschule richtet sich an Kindergärten, Grundschulen und an die Sekundarstufe I aller weiterführenden Schulen. Lehrkräfte können Klassen bei Janette Groeneveld unter Tel. 7 98 32 68 oder Mail an sinnesschule@uni-oldenburg.de anmelden. Prof. Dr. Corinna Hößle, Leiterin der AG Biologiedidaktik, ist unter Tel. 7 98 36 39, corinna.hoessle@uni-oldenburg.de, erreichbar.
