Zetel - Früher war alles besser? Das Internet gewöhnt Kinder an Gewalt, und die Jugendlichen kümmern sich heutzutage nur noch um sich selbst? Was viele Leute über „die Jugend von heute“ denken, können die drei Schulsozialarbeiterinnen der Integrierten Gesamtschule Friesland-Süd in Zetel nicht bestätigen. Und sie müssen es wissen. Christiane Stark, Nele Eichhorn und Ewa-Maria Ruta-Schwarte sind Ansprechpartner für alle Schüler, Eltern und Lehrer, wenn es um (zwischen-)menschliche Probleme geht.
„An unserer Schule sind die Kinder und Jugendlichen sehr sensibilisiert für einen gewaltfreien Umgang miteinander“, sagt Ewa-Maria Ruta-Schwarte. Auf die Frage, wann es die letzte Schlägerei auf dem Pausenhof gab, sagt sie: „Schlägerei? Ich kann mich an keine einzige Schlägerei erinnern. Wenn sich so etwas anbahnt, weil es Streit gibt, dann kommen meistens schon Mitschüler zu uns gelaufen, um uns zu holen.“ Im Ernst? Jugendliche, die Diplom-Sozialpädagogen zu Hilfe rufen, wenn sich andere Schüler prügeln? „Ja, das ist nicht mehr so, wie man es aus Erzählungen von früher kennt, dass der eine dem anderen auf die Nase haut und das Thema dann erledigt ist. Die Schüler sind schon irgendwie sensibler geworden, finde ich. Und sie sind auch aufgeklärter. Begriffe wie Mobbing gab es bei uns früher ja gar nicht.“
Das Büro der Schulsozialarbeiterinnen ist von morgens bis nachmittags besetzt. Mindestens eine der drei Mitarbeiterinnen ist immer da. Christiane Stark und Ewa-Maria Ruta-Schwarte teilen sich die Sozialarbeit-Stelle der Integrierten Gesamtschule, Nele Eichhorn ist für die Haupt- und Realschule angestellt. Natürlich helfen sie alle allen Schülern. Und weil die Schüler nicht nur vormittags zum Lernen in der Schule sind, sondern im Ganztag einen Großteil ihres jungen Lebens dort verbringen, wird Schulsozialarbeit immer wichtiger.
Gewalt und Mobbing seien nicht die größten Probleme, dafür seien die Schüler schon sehr sensibilisiert. Viel Zeit investieren die Frauen in die Kinder, die auf den ersten Blick nicht auffällig sind, aber Probleme mit sich herumtragen. Manchmal sind es Lehrer, die die Schulsozialarbeiterinnen darauf ansprechen, manchmal andere Schüler oder die Eltern. In manchen Fällen kommen diese Schüler lange Zeit nicht zur Schule, das sei immer ein Warnsignal. Schwänzen hieß das früher, heute heißt es „Schulabsentismus“.
