Westerstede - Viel Unterrichtsstoff in gerade einmal zwei Jahren Oberstufe: Da bleibt für viele Gymnasiasten auf dem Weg zum Abitur wenig Zeit, sich außerhalb der Schule zu engagieren oder sich individuell zu entwickeln. Grund dafür ist das sogenannte Turbo-Abitur – in dessen Rahmen die Schüler ihren Abschluss nach der zwölften Klasse erhalten, um somit schneller in die Berufswelt oder das Studium einsteigen zu können. Doch nun plant die rot-grüne Landesregierung spätestens zum Schuljahr 2015/2016 eine Rückkehr zum alten System, in dem die Schüler in der Regel 13 Jahre zur Schule gehen, bis sie ihr Abitur ablegen.
Schüler pro G9-System
Für Jannes Manßen, den Schülersprecher am Gymnasium Westerstede, ist die Rückkehr zu einem G9-System die richtige Lösung: „Ich habe bisher viele positive Stimmen aus der Schülerschaft zu den geplanten Änderungsmaßnahmen gehört. Wünschenswert wäre es, dass die Änderung schnell in Kraft tritt, damit viele Schüler davon profitieren können.“
In die gleiche Richtung argumentieren auch die Zwölftklässler Laura Weltzien und Thorben Hasenpusch. Momentan sei es zu viel Unterrichtsstoff für zwei Jahre. „Besonders die Klausurenphasen sind ganz schön anstrengend. Wir würden lieber ein weiteres Jahr bekommen, um uns generell besser vorzubereiten.“ Andere Schüler aus ihrer Jahrgangsstufe, wie zum Beispiel Maximilian Margraf und Alexander Braun, haben sich bereits mit dem „Turbo-Abi“ abgefunden: „Wir kennen es gar nicht anders und haben uns daran gewöhnt.“
Die stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums, Barbara Hallerbach, sieht der Rückkehr zu einem G9-System noch skeptisch entgegen: „Es gibt noch zu viele offene Fragen, um eine Prognose abzugeben. Sowohl inhaltlich als auch in der Umsetzung gibt es bisher keine klaren Ansagen.“ Dennoch bringe eine Rückkehr zum alten System mit drei Jahren Zeit in der Oberstufe Vorteile. „Den Schülern wird somit wieder mehr Zeit eingeräumt. Sie benötigen diese wichtige Entwicklungsphase. Die Schule darf nicht alles erdrücken. Lernen soll Spaß machen, und gleichzeitig sollten die Schüler wieder mehr Zeit für Hobbys haben.“
Schnelle Lösung gefragt
Einen „gewissen Charme“ sieht auch Kreiselternratsvorsitzender Dirk Bolze in dem Plan zur Rückkehr zu einem G9-System: „Ich höre an allen Ecken und Kanten, dass es so, wie es momentan in der Oberstufe läuft, nicht bleiben kann. Die Schüler verspüren hohen Druck und können deshalb wenig Energie für außerschulische Aktivitäten aufbringen.“ Nun sei es an der Landesregierung, eine schnelle Lösung zu finden und die Änderungen auf den Weg zu bringen, so Bolze.
