Wiefelstede - Ein „Stolperstein“ soll künftig in Wiefelstede an einen Menschen erinnern, der in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen Opfer der Nationalsozialisten geworden ist.
Wahlpflichtkursus aktiv
21 Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 b, c und d der Oberschule Wiefelstede sind in diesem Schuljahr im Wahlpflichtkursus (WPK) „Religion“ dabei, die Geschichte eines Wiefelsteders in Erinnerung zu rufen, der 1942 in Wehnen verhungert ist – nach nur zwei Monaten Aufenthalt dort. „Es wäre unseres Erachtens nach der erste ,Stolperstein‘ im Ammerland“, sagt Schulleiterin Jutta Klages.
Künstler-Projekt
Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des Berliner Künstlers Gunter Demnig. Mit im Boden verlegten, kleinen Messingtafeln soll an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden. Demnig stellt die Steine selbst her und verlegt sie stets selbst, weiß Lehrer Gunar Stumm, der den Wahlpflichtkursus leitet. Verlegt sind bislang rund 60 000 Stolpersteine in 1099 Orten in Deutschland und in 20 Ländern Europas.
Den Namen des Wiefelsteder Opfers wollen die Schülerinnen und Schüler bislang nicht nennen. Denn nun wollen sie erst einmal herausfinden, aus welcher Familie der 1942 Verstorbene eigentlich stammt. „Die Person ist noch nicht vollständig aufgearbeitet“, sagt Gunnar Stumm. „Wir haben bislang im Staatsarchiv Nachforschungen angestellt und die Gedenkstätte ,Alte Pathologie‘ in der Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen besucht“, berichten die Schülerinnen Elisa Harig und Svea Jestadt, die im Projekt den Kontakt zur Presse übernommen haben.
Überhaupt gehen die WPK-Teilnehmer in drei Gruppen verschiedenen Aufgaben nach, die alle eines zum Ziel haben: den Stolperstein in Wiefelstede einzusetzen und somit die Geschichte eines Menschen in Erinnerung zu rufen, der unter den Nazis ermordet wurde. Dies soll noch in diesem Jahr geschehen – „voraussichtlich im Oktober“, erklärt Stumm. Und so kümmert sich eine Schülergruppe um die Biografie des Opfers, eine weitere sucht nach Sponsoren, um den festlichen Rahmen für die Steinsetzung zu gewährleisten. Und eine dritte kümmert sich um die Vorbereitung des Rahmens selbst.
Offen ist bislang noch, wo der „Stolperstein“ eigentlich eingelassen werden soll. Eine Abordnung der Schüler war vor einer Woche bei Bürgermeister Jörg Pieper, um das Projekt vorzustellen. „Er war sofort angetan“, berichtet Stumm. Derzeit ist offen, wohin der Stein soll. Vors Rathaus? Aufs Schulgelände? Oder dorthin, wo das Opfer einst wohnte?
Abschluss im Sommer
Bis zum Sommer muss die Recherche abgeschlossen sein und alles stehen, denn dann verlassen die WPKler die Schule. „Wir werden aber alle Beteiligten einladen, wenn der Stein gesetzt wird“, kündigt Gunnar Stumm schon mal an.
Begleitet werden die Schüler auch bei diesem Projekt von Pfarrer Tessen von Kameke. Er ist nach Angaben von Oberschul-Leiterin Jutta Klages von der oldenburgischen Kirche an die Schule abgeordnet für die Koordination von Projekten zum Thema Religion und Werteerziehung.
