Cloppenburg - Er hat zwei 15-Jährige sexuell missbraucht, gestand seine Taten und wurde von einem deutschen Gericht verurteilt (die NWZ berichtete) – seitdem gehört ein vor kurzem von der Kirche des Priesteramts enthobener, gebürtiger Cloppenburger nicht mehr zum Honduras-Hilfsprojekt. Das stellten die Verantwortlichen der Liebfrauenschule (ULF) Cloppenburg am Dienstag in einem Pressegespräch klar.
Das ULF unterstützt seit Jahren mit Spenden das Kinderdorf in Honduras, das der gebürtige Cloppenburger 1999 gegründet hat. Die Schüler wollen sich auch weiterhin engagieren. Ziel des Heim-Projekts ist es, Straßenkindern ein Zuhause und eine Schulausbildung zu ermöglichen.
Kirche informierte
Als die Schule 2009 von der katholischen Kirche in Kenntnis über die Taten des Cloppenburgers gesetzt wurde, „mussten wir uns entscheiden, wie es weitergeht“, erinnerte sich Schulleiter Andreas Weber. Kurzerhand seien Eltern, Schülervertreter und Kollegium über den Fall informiert worden. Gemeinsam habe man entschieden, die Kinder in Honduras weiter zu unterstützen. Sie sollten nicht noch ein zweites Mal bestraft werden, indem ihnen nun auch noch die Hilfe der Liebfrauenschule entzogen wird.
Danach hätten Schulleitung und Projektverantwortliche für die Honduras-Hilfe des ULF das weitere Vorgehen in dem Kinderdorf sehr genau verfolgt. Gleichzeitig sei die enge Kooperation mit dem „Förderverein St. Raphael“ der Sankt Ida Münster-Gremmendorf fortgesetzt worden.
Um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen, seien Weber und einige Kollegen auch selbst nach Honduras gereist. Ihre Eindrücke, so erklärten sie in dem Gespräch, hätten sie in dem Entschluss, an dem Projekt festzuhalten, bestärkt. Das Kinderheim selbst sei nach Abzug des gebürtigen Cloppenburgers umstrukturiert und auf völlig neue Füße gestellt worden. Die Leitung habe nun eine sehr engagierte Psychologin inne.
Spendenaktion geplant
„Das Projekt ist wirklich gut“, betonte auch Lehrer Clemens Wilhelm, der seit Jahren die Honduras-Hilfe an der Liebfrauenschule leitet. Dank des Heims hätten viele Kinder einen guten Schulabschluss geschafft. „Wir sind eine Stütze des Dorfes, unabhängig davon, was passiert ist“, betonte auch Weber. Von dem ehemaligen Priester fänden sich keine Spuren mehr. Es gehe nur noch um die Jungen und Mädchen, die Unterstützung bräuchten.
Die Liebfrauenschule plant nun zum Ende des Schuljahrs ein großes Projekt zu Gunsten des Heims San Rafael. Damit wollen sie noch mehr Unterstützung für die ehemaligen Straßenkinder Honduras ermöglichen.
