„Damit soll im Alter von zehn Jahren bereits entschieden werden, ob ein Kind Maurer oder Arzt werden kann“
ina korter
Die Schüler müssten neun Jahre gemeinsam lernen. Das fordern die Grünen.
NORDENHAM/BI - Die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, die Abgeordnete Ina Korter aus Nordenham, fordert einen grundlegenden Neuanfang in der Bildung. Sie vertritt den Entwurf ihrer Fraktion für eine neunjährige gemeinsame „Basisschule“ mit einem regelmäßigen Ganztagsangebot.Damit werde „eine neue Lernkultur in einer anderen Struktur“ verwirklicht. „In dieser neuen Ganztagsschule lernen schnellere und langsamere, stärkere und schwächere Kinder in leistungsgemischten heterogenen Gruppen mit- und voneinander und werden individuell begleitet und unterstützt“, erläutert Korter das Konzept. „Sitzen bleiben gibt es nicht. Wer Schwächen hat, wird gefördert, Stärken werden ausgebaut. Erst nach der gemeinsamen Basisschule entscheiden sich die Jugendlichen für eine Ausbildung oder das Abitur.“
Auf diese Weise müssten alle Talente optimal genutzt werden, „weil wir jeden und jede brauchen“, wie Ina Korter betont.
Mit diesem Modell folgen die Grünen nach ihren Worten den Beispielen der erfolgreichen Staaten im PISA-Test. Denn in den internationalen Schulleistungsstudien hätten vor allem jene Länder besonders gut abgeschnitten, „in denen Kinder möglichst lange gemeinsam zur Schule gehen und von Anfang an individuell gefördert werden“, wie Ina Korter sagt. So werden die Schüler beim PISA-Sieger Finnland erst nach neun gemeinsamen Schuljahren auf unterschiedliche Bildungsgänge aufgeteilt.
In Niedersachsen walte dagegen eine permanente Auslese, „nach der Abschaffung der Orientierungsstufen durch die schwarz-gelbe Landesregierung jetzt sogar schon nach Klasse vier“, moniert Korter. „Damit soll im Alter von zehn Jahren bereits entschieden werden, ob ein Kind Maurer oder Arzt werden kann.“ Fast 30 Prozent der Kinder blieben mindestens einmal sitzen, jeweils zehn Prozent müssten auf eine niedrigere Schulform wechseln oder verließen die Schule ganz ohne Abschluss.
„Mit dem System der frühen Trennung geht Niedersachsen einen Weg, der offensichtlich nicht erfolgreich ist“, fasst Ina Korter zusammen. „Begabungspotenziale, die wir auch angesichts der demografischen Entwicklung dringend brauchen, werden so verschenkt.“
