Hude - Bei der Führung durch Klassen- und Nebenräume der Katholischen Grundschule an der Ulmenstraße fällt schnell auf, dass sich die Räumlichkeiten in einem sehr guten, gepflegten Zustand befinden. Der große Sanierungsbedarf ist nicht zu erkennen. Es wurde vieles gemacht in den vergangenen Jahren. Es fand eine Asbestsanierung statt. Die Sanitäranlagen wurden erst 2013 von der politischen Gemeinde als Eigentümer der Immobilie erneuert.
Es sind Räume mit Wohlfühlcharakter. Der große Spielplatz trägt ebenfalls dazu bei. Auch wenn einige Spielgeräte schon in die Jahre gekommen sind. Ein Zeichen für die Bescheidenheit mit der die kleine, aber feine Schule seit Jahren arbeitet. An der Ulmenstraße passt alles zusammen. Die Räume und das besondere pädagogische Konzept. „Das ist miteinander verwoben“, erklärte Rektorin Sylvia Horning.
Die katholische Grundschule hat eine offene Eingangsstufe, in der Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet werden. Es gibt ebenfalls eine kombinierte Klasse für das 3. und 4. Schuljahr. Alles ebenerdig.
Gemeinsames, jahrgangsübergreifendes Arbeiten und Erleben über alle vier Jahrgangsstufen ist durch die räumliche Nähe möglich. „Kooperatives und soziales Lernen im Umfeld einer überschaubaren Gesamtschülerzahl“ heißt es dazu in dem Positionspapier der Schul-Arbeitsgruppe, das an Politik und Verwaltung ging.
115 000 Euro
In dem Papier wird eindrucksvoll dargelegt, dass Eltern, Schulleitung und Kollegium den Vorschlag sehr kritisch sehen, die kleine Grundschule mit ihren knapp 50 Schülern in einen Trakt der Peter-Ustinov-Schule (Außenstelle Hohelucht) zu verlegen (NWZ berichtete). Es sind Räume, die über mehrere Stockwerke verteilt sind. Mit einem Schulhof, der voraussichtlich durch einen Zaun abgetrennt werden müsste von dem übrigen Bereich für die Sechst- und Siebtklässler. Mit unterschiedlichen Unterrichts- und Pausenzeiten . . .
Die Gemeindeverwaltung hat mit ihrem Vorschlag eine Welle der Entrüstung bei den Eltern ausgelöst. Ein einmaliges Schulkonzept werde zerstört. Die Existenz der Schule insgesamt werde gefährdet, so die Schul-Arbeitsgruppe.
Kämmerer Olaf Hespe nannte die Summe von 115 000 Euro für einige „Erneuerungsaufwendungen“ im Gebäude an der Ulmenstraße: Heizungsanlage (45 000 Euro), energetische Maßnahmen am Dach (55 000 Euro) und kleinere Maßnahmen, wie Fassadenanstrich (15 000 Euro). Hespe sprach außerdem von einem jährlichen Aufwand von rund 12 000 Euro für die Bewirtschaftung.
Konkrete Zahlen zu dem Aufwand für die Herrichtung des Traktes Hohelucht konnte er nicht nennen. Elternvertreter vermuteten, dass dort auch schnell ein Betrag zu investieren sei, der die 115 000 Euro deutlich übersteige. Angesichts sinkender Schülerzahlen müsse die Frage gestellt werden, ob die gesamte bisherige Infrastruktur erhalten bleiben müsse, argumentierte der Kämmerer. Deshalb die Idee, Klassen der Außenstelle Hohelucht an die Hauptstelle der Peter-Ustinov-Schule zu verlagern, wo Räumlichkeiten frei werden – und dafür die kath. Schule an die Hohelucht zu holen.
Abriss droht
Sollte es so kommen, würde die Gemeinde das Schulgebäude an der Ulmenstraße vermutlich abreißen und das rund 4000 Quadratmeter große Grundstück anderweitig verwerten. Es sei nicht zu erwarten, dass das Gebäude stehenbleibe, sagte jedenfalls Schulausschussvorsitzender Ralf Schepker auf Nachfrage.
Der Grund, warum die Gemeinde das Gebäude Ulmenstraße am liebsten loswerden möchte, liegt offenbar nicht im Bereich, den die Schule nutzt. Vielmehr gibt es dort auch zwei Wohnungen, die sich in einem miserablen Zustand befinden. Es bedürfe eines „ gewissen Aufwandes“, die Wohnungen zu sanieren, sagte der Kämmerer. Genaue Zahlen nannte er dazu nicht.
Dass man die Sanierungsbedürftigkeit der Wohnungen der Grundschule anlaste, sei nicht so ganz fair, kritisierte Elternvertreter Andreas Langer. Die Wohnungen hätten de facto nichts mit der Schule zu tun, meinte Langer.
