Wüsting - Der „Tag für Afrika“ hat an der Grundschule Wüsting schon Tradition. Dann machen sich alle Schülerinnen und Schüler an einem Nachmittag auf den Weg, um in der Familie, bei Verwandten, Bekannten oder Nachbarn Hilfsdienste gegen eine kleine Spende anzubieten.
Den Rasen mähen, Flaschen zum Container bringen – und vieles mehr. Da wird mit Unterstützung der Eltern Marmelade gekocht und verkauft. Die Einnahmen kommen alle in einen großen Topf, mit dem die Wüstinger Schule Projekte für Kinder in Afrika unterstützt.
Im vergangenen Jahr kamen mehr als 1000 Euro für eine Schule in Sierra Leone zusammen. Der diesjährige Erlös dürfte wieder ähnlich hoch ausfallen. Das genaue Ergebnis stehe noch nicht fest, so Schulleiterin Sabine Tretner.
Die Spendenbereitschaft ist groß, wenn die Kinder ihre kleinen Hilfsdienste anbieten. Die Menschen aus dem Einzugsgebiet der Grundschule kennen mittlerweile die Aktion und geben gerne einen Obolus. Auch der Erlös aus der Caféteria beim diesjährigen Schulfest soll den bedürftigen Kindern in Afrika zugutekommen.
Dem Schulfest, das am Freitag gefeiert wurde, waren der „Tag für Afrika“ und ein dreitägiges Afrika-Projekt vorausgegangen, wie Lehrerin Karin Tellmann berichtete, die das Afrika-Projekt der Schule vor Jahren initiiert hat. Die Schüler hatten sich auch dieses Mal während der Projekttage mit verschiedenen Themen rund um Afrika beschäftigt und zum Beispiel afrikanische Masken gebastelt.
Die Situation der Kinder in Afrika wurde dann auch beim Schulfest thematisiert. Schon seit einigen Jahren unterstützen die Wüstinger eine Schule in Sierra Leone. Jetzt kommt eine weitere Schule hinzu: Sie liegt mitten im zweitgrößten Slum von Nairobi in Kenia.
Sechs Wochen hat Nina Gerlach (22), die „Public Health“ in Bremen studiert, freiwillig in der Schule im „Mathare Slum“ Kinder unterrichtet.
Die Studentin schilderte während des Schulfestes eindrucksvoll und mit vielen Bildern die schlimme Situation für die Kinder im kenianischen Nairobi. Sie hausen in engsten Verhältnissen in Wellblechbaracken, hätten kein fließendes Wasser, ringsherum existierten Kloaken und Müll, außerdem gebe es kaum etwas zu essen für sie.
Kinder, die in die Schule aufgenommen würden, hätten sehr großes Glück. Vielen Jungen und Mädchen aber sei der Zugang zur Schulbildung gänzlich verwehrt, weil sie arbeiten müssten, um zum Lebensunterhalt in ihren Familien beizutragen. Oft ist aber auch überhaupt kein Geld da, um Lebensmittel zu kaufen. Die Kinder kommen morgens ohne Frühstück in die Schule. Dort erhalten sie dann mittags die einzige Mahlzeit. Reis und Bohnen, Mais und Bohnen oder eine Art Kartoffelbrei, erzählte Nina Gerlach.
Trotz der großen Not seien die Kinder immer gut drauf, unglaublich fleißig und total dankbar, dass sie etwas lernen dürften, erzählte die Studentin, deren Mutter Sonja Gerlach zum Wüstinger Lehrerkollegium gehört. So kam der Kontakt zustande und die Idee, auch für diese Schule in den Slums von Nairobi Spenden zu sammeln. „Die Kinder dort sind total motiviert“, so Nina Gerlach.
