Rodenkirchen/Brake - Die Oberschule Rodenkirchen und die Paddstockschule Brake/Ovelgönne haben am Dienstagmittag einen Kooperationsvertrag geschlossen. Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit der staatlichen Regelschule in Rodenkirchen und der Förderschule in freier Trägerschaft im Sinne des inklusiven Schulsystems. So soll es für Schüler eine bessere Durchlässigkeit in beide Richtungen geben.
Die Schulleiter Jürgen Janssen und Peter Steffens unterschrieben den zweiseitigen Vertrag vor Lehrkräften beider Schulen im Lehrerzimmer der Oberschule. Den ersten Glückwunsch sprach Dr. Ilka Spieß aus. Sie leitet den Fachbereich Kinder, Jugend und Familie des CVJM-Sozialwerks Wesermarsch; das Sozialwerk ist Träger der Paddstockschule. „Eins plus eins ist in diesem Fall drei“, äußerte Ilka Spieß die Gewissheit, dass die Kooperation mehr bringt als die Summe der beiden Teile.
Die Paddstockschule betreut insgesamt 62 Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen aus der gesamten Wesermarsch und den Nachbarkreisen. 35 Erst- bis Sechstklässler werden in Ovelgönne unterrichtet, 27 Siebt- bis Zehntklässler in Brake. Die Klassen sind mit 6 bis 8 Schülern klein, regelmäßig werden Schüler in noch kleineren Gruppen unterrichtet, gelegentlich sogar einzeln. Im Mittelpunkt steht nicht Fachunterricht, sondern Erziehung. Ziel ist die Rückschulung, Schüler sollen möglichst nicht ihr ganzes Schulleben an der Paddstockschule verbringen.
Doch die Rückschulung ist problematisch, weil die Paddstockschule keine staatliche Schule ist, und deswegen kaum an der Inklusion teilnehmen kann. Denn diese Schule bekommt nur Geld für das Unterrichten ihrer Schüler, nicht aber dafür, dass ihre Lehrer auch an Regelschulen unterrichten, wie es bei Lehrern staatlicher Förderschulen der Fall ist, erläuterte Steffens.
Dieses Manko soll der Kooperationsvertrag beheben. Daran hat die Oberschule ein Interesse, weil auch bei ihr die Zahl der Schüler mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen zunimmt. Jürgen Janssen beziffert sie auf derzeit sechs oder sieben. Mit gegenseitigen Hospitanzen sollen die Lehrer die jeweils andere Schule besser kennenlernen und die Schüler auf dem Weg dorthin besser begleiten können. Gemeinsame Fortbildungen sollen die Kenntnis vom anderen vertiefen. Entscheidend sei, sagt Jürgen Janssen, von dem der Anstoß ausging, dass die Zusammenarbeit im Alltag gelebt werde.
