Oldenburg - Für Eltern, Schüler und Lehrer ist es ein Albtraum: die Möglichkeit, dass es an ihrer Schule zu einem Amoklauf kommen könnte. Die Taten von Erfurt (2002), Emsdetten (2006) und Winnenden (2009) haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Wie können sich Schulen davor schützen? Darüber hat sich in Oldenburg unter der Regie der Stadtverwaltung die Projektgruppe „Sicherheit an Oldenburger Schulen“ Gedanken gemacht. Daran beteiligt waren Vertreter aller Schulformen, der Polizei, der Feuerwehr und der städtischen Fachämter. Herausgekommen ist ein Präventionskonzept, das Standards zur Ausstattung der Schulen festlegt. Der Schulausschuss hat der Umsetzung des Konzeptes am Dienstagabend einmütig zugestimmt.

Schulamtsleiter Matthias Welp betonte, dass es dabei um bauliche und technische Vorkehrungen gehe, welche die für Extremfälle geltenden Verhaltensregeln ergänzen sollen. Jede Schule sei vom Land Niedersachsen dazu verpflichtet, ein eigenes Standortsicherungskonzept vorzuhalten. „Wir haben in der Vergangenheit diverse Anträge von Schulen auf Installierung von Videoüberwachung oder Panikschließanlagen erhalten, die aber in der Regel nicht bewilligt wurden, weil ein für alle geltendes Konzept fehlte“, berichtete Welp. Das nun vorliegende Papier sage auch aus, was nicht passieren soll: „Schulen sind Lebensorte. Wir wollen daraus keinen Hochsicherheitstrakt machen. Niemand soll durch Sicherheitsschleusen gehen müssen.“

Langfristig umgesetzt werden sollen dagegen folgende Standards (auszugsweise):

Alarmierung

-  interne Alarmierungsanlage mit Ansagemöglichkeit.

- eine „bedarfsgerechte“ Anzahl von Notknöpfen (im Lehrerzimmer, Sekretariat, Schulleiterbüro, Hausmeisterzimmer).

So eine Ausstattung gibt es nach Auskunft der Stadtverwaltung bislang nur am Alten Gymnasium. Beim Einbau einer neuen elektroakustischen Anlage (ELA) seien auch zwei Auslösetaster eingebaut worden. Werden diese gedrückt, erfolgen Durchsagen in der Schule.

Türen

- Alle Raumtüren sollen durch ein Schloss gesichert werden.

- Flurtüren von Unterrichtsräumen, Lehrerzimmern und Büroräumen müssen auch ohne Schlüssel von innen durch ein Amokschloss, eine „Toilettenschließung“ oder einen Türknauf gesichert werden.

Raumnummern

- Alle Räume sind innen und außen mit Nummern zu versehen.

- Raumpläne stehen Polizei und Feuerwehr zur Verfügung.

Zugang

- Die Anzahl der offenen Eingänge ist möglichst gering zu halten.

- Türen an Nebeneingängen und Notausgängen schließen automatisch.

Orientierung

- Ausgehend vom Haupteingang gibt es ein Leitsystem mit Übersichtsplänen oder einem Farbkonzept.

Videoüberwachung

Eine allgemeine Videoüberwachung ist nicht vorgesehen. Fahrradkeller bzw. Fahrradstände können zum Schutz vor Diebstahl mit Kameras ausgestattet werden.

Am Neuen Gymnasium soll nach rund dreijähriger Diskussion um das Für und Wider jetzt im Fahrradkeller eine Videoüberwachung installiert werden. „Die Daten sollen nur zu bestimmten Zeiten gespeichert werden und nur von einem bestimmten Personenkreis einsehbar sein“, sagte Rektorin Katrin Wutschke.

Der Eigenbetrieb für Gebäudewirtschaft und Hochbau hat für die Ausstattung aller Schulen ein Kostenvolumen von bis zu 7 Millionen Euro ermittelt. Mittel für die Umsetzung sollen ab dem Jahr 2018 in den Haushalt eingestellt werden.