Neustadtgödens - Roy Black? Rex Gildo? Percy Stuart alias Claus Wilcke? Nie gehört. Bei der Schautafel „Stars von gestern“ zucken die Kinder der Grundschule Neustadtgödens mit den Schultern. Natürlich kennen sie keinen dieser einstigen Leinwand- und Plattenstars. Und selbst die Eltern sind nicht immer ganz sicher, wen Schulleiterin Angelika Haak aus ihrer alten „Bravo“-Postersammlung mitgebracht und auf die Tafel geklebt hat.

60 Jahre Grundschule Neustadtgödens: Den runden Geburtstag haben Schüler, Eltern, Lehrer und Ehemalige am Donnerstag mit einem kleinen Schulfest, mit Aufführungen und Ausstellungen aus der Projektwoche gefeiert. Die Präsentationen drehten sich dabei um die Zeit aus den Anfangsjahren der Schule, sagt Angelika Haak, um das Leben in den 1950er und 1960er Jahren. Sport und Spiel, Haushalt, Mode oder auch Märchen waren Thema. Das alles wurde in den Klassenräumen mit Ausstellungen gezeigt, es gab alte Haushaltsgeräte zu sehen, alte Handarbeitstechniken zu lernen oder eben auch die Stars von gestern zu sehen.

Eröffnet wurde das Fest mit einer gemeinsamen Kaffee-und Kuchentafel und Ansprachen und Aufführungen im benachbarten Gemeindehaus. Dort präsentierten die Kinder Tänze aus der Zeit ihrer Großeltern: Rock’n’Roll. Auch Modenschauen gab es zu sehen und ein Märchen als Schattenspiel.

Als die Grundschule Neustadtgödens 1955 eröffnet wurde, da besuchten mehr als 100 Jungen und Mädchen die Schule. Heute sind es in insgesamt drei Klassen – der Jahrgang 2 und 3 wird gemeinsam unterrichtet – nicht einmal mehr halb so viele Kinder. Die geringe Schülerzahl war mit ein Grund, weshalb in Sande die Schulstandortdebatte entbrannte und hinter dem Fortbestand dieser Schule lange ein Fragezeichen stand.

Kaum Schüler hatte die Grundschule auch schon mal zu Beginn der 1980er Jahre, berichten Ehemalige. Damals entstanden die Neubaugebiete im Ort und die Schülerzahlen zogen wieder an.

Heute sind es die Flüchtlinge, die für Zuzug sorgen und die die Schule vor ganz neue Herausforderungen stellen. Seit zwei Wochen besuchen zwei Jungen aus dem Irak die Schule. Und auf einmal wird dort nicht nur Deutsch und erstes Englisch, sondern auch Arabisch gesprochen.

„Die Kindern lernen unheimlich schnell voneinander“, sagt Angelika Haak. Nicht nur sprachlich, sondern auch menschlich: Auf einmal erfahren Kinder, was Krieg aus und mit Menschen macht. „Dann wollen wir nicht mehr schießen spielen“, beschloss ein Junge.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever