Oldenburg - Die Leiter der Oldenburger Gymnasien neigen derzeit nicht zur Abschaffung des „Turbo-Abis“. Das hat eine Nachfrage am Dienstag ergeben. Die geplante Abschaffung des Sitzenbleibens ist umstritten (Info-Kasten).
Wie berichtet will die neue Rot-Grüne Landesregierung ins Ermessen der Schulen stellen, ob sie die Schüler in acht (G8) oder neun Jahren (G9) zum Abitur führen. Doch die Schulleitungen wollen keine erneute Unruhe, nachdem das verkürzte Abitur nun einigermaßen etabliert ist. Franz Held, Leiter der Cäcilienschule, sagte: „Da werden Schlüsselwörter in die Öffentlichkeit gebracht, ohne das vorher konzeptionell durchzuarbeiten.“ Im Übrigen gebe es ein räumliches Problem, nun wieder einen 13. Jahrgang zu integrieren. Und mit G8 seien ja auch „nicht nur schlechte Erfahrungen gemacht worden“. Eltern und Schüler würden aber einbezogen.
Unterricht entlasten
Günter Tillmann, der Leiter des Herbartgymnasiums, begrüßt, dass es keinen Zwang zum Wechsel gibt. In jedem Fall müssten sich die Schulen durch gemeinsames Vorgehen ihre „hervorragende Oberstufen-Kooperation erhalten“. Tillmann plädierte für die Beibehaltung von G8: „Wir haben die Schüler erfolgreich auch mit G8 zum Abitur geführt. Wir wollen jetzt einfach in Ruhe weiterarbeiten. Wir brauchen Kontinuität und Stabilität. Allerdings müsste man an Unterrichtsinhalte heran und bei den Kern-Curricula nachjustieren, um die Schüler zu entlasten.“
AGO-Leiter Frank Marschhausen würde „das Fass ungern noch einmal aufmachen“, zumal G8 zu keinem Einbruch beim Abi geführt habe. In jedem Fall müssten alle Gymnasien an einem Strang ziehen. Eine Verschlankung der Lehrpläne sei aber ein Thema. Wegen der vielen Reformen, die die Schulen hinter sich haben, plädiert Marschhausen dafür, Ruhe einkehren zu lassen. Allerdings mit leichten Bauchschmerzen. Sein Eindruck sei, dass G8 den Jungen, die oft noch nicht so reif seien, mehr zusetze als den Mädchen: „Sie könnten die Verlierer dieser Regelung sein.“
Schüler meist für G9
NGO-Leiter Wieland Herold war „kein Befürworter von G8“, will aber auch nicht wieder alles umwerfen. Die Belastungen seien jedoch hoch. „Das zeigt auch der Aderlass in den Kultur-AGs. Die Schüler haben bis zu 37 Stunden, da nimmt die Bereitschaft ab, sich in Chor oder Theater zu engagieren.“ Und die Schüler? Stadtschülersprecher Onno Winters sagt: „Die meisten Schüler sind für G9, denn der Stoff ist ja so geblieben. Andererseits stellt sich die Frage, ob man jetzt wieder alles umwerfen soll, wo es anfängt zu funktionieren.“
