Cloppenburg - Eine Präventionsmaßnahme, eine Investition in die Zukunft, die Möglichkeit Defizite aufzufangen: Das und noch viel mehr verstehen Hanna Weyrauch, die Leiterin der derzeit von 254 Mädchen und Jungen besuchten dreizügigen Paul-Gerhardt-Schule in Cloppenburg, und die Sozialpädagogin Marion Rolfes unter Schulsozialarbeit.
Praktisch kann das durchaus schon mal bedeuten Erstklässler morgens zuhause abzuholen und zum Unterricht zu bringen. Die Gründe liegen auf der Hand: Der Vater arbeitet im Schichtdienst, die Mutter spricht kein Deutsch, die Kinder wissen noch nicht, wo ihr Schulbus abfährt. Im Alltag steht Schulsozialarbeit über den Einsatz in den Klassen hinaus häufig für die Begleitung von Familien – auch nach Unterrichtsschluss. Hinzu kommt die Beratung von Lehrern, um nur einige Beispiele zu nennen.
Rolfes ist mit 20 Wochenstunden, finanziert aus Mitteln der Landesschulbehörde, als Schulsozialarbeiterin an der Grundschule tätig. Darüber hinaus arbeitet sie weitere 20 Stunden an der Grundschule St. Andreas. Zu ihren Arbeitsfeldern gehören unter anderem Projekte wie die Aktion „Lubo aus dem All“. Dabei lernen Kinder unterschiedliche Gefühle kennen, Gefühle und Verhalten voneinander zu trennen und entwickeln Strategien, um Probleme lösen zu können.
Noch bis zum Monatsende wird Rolfes von ihrer Kollegin Andrea Hinrichsmeyer mit zehn Wochenstunden unterstützt. Dafür kommt unter anderem die Stadt Cloppenburg auf. Allerdings laufen die für Hinrichsmeyers Stelle benötigten Gelder zum 1. April aus.
Ersatz ist bislang nicht in Sicht. Weyrauch verweist darauf, dass Schulen, die von der Landesschulbehörde finanzielle Unterstützung für Schulsozialarbeiter erhalten, in Cloppenburg zukünftig keine städtischen Mittel mehr erwarten dürften.
Mit den ihr bislang zur Verfügung stehenden 30 wöchentlichen Schulsozialarbeiterstunden wird der Bedarf der Paul-Gerhardt-Schule kaum annähernd gestillt. „Um unsere Schüler bestmöglich zu unterstützen, brauchen wir eigentlich eine ganze Stelle,“ betont Weyrauch.
Diesen Wunsch kann allerdings nur die Politik erfüllen. Willkommen wäre ihr allerdings auch ein Budget für die Schulsozialarbeit. Daraus könnten dann beispielsweise auch Dolmetscher für Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse oder Sozialprojekte bezahlt werden.
