Ganderkesee - „Heiß“ war es an diesem 1. August 1970. „Furchtbar aufgeregt“ war Ganderkesees heutige Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas, als sie an diesem, ihrem ersten Schultag im rot-weißen Dirndl-Kleid mit der Mutter zur Grundschule in Moorwarfen (Jever) radelte. Noch zu Hause hatte die knallrote Schultüte mit der Märchenfigur darauf Anlass für Diskussionen gegeben. Denn die Mutter hatte in den unteren Bereich Papier gestopft. „Da gehören Bonbons hinein“, forderte Alice.

Dass auch Väter mit zur Einschulung kamen, sei damals nicht üblich gewesen. Draußen vor der „ganz kleinen“ Schule wurden Fotos geschossen – „wir mussten alle furchtbar gegen die Sonne blinzeln“. Dann ging es in den Klassenraum, in dem die 1. und 2. Klasse unterrichtet werden sollten. „Wir Kleinen saßen in der Mitte, die Großen drumherum.“ Auch die Mütter kamen mit. Nach einer halben Stunde sei alles vorbei gewesen, es ging wieder nach Hause. Die Diskussion um die Schultüte war längst beendet: „Meine Mutter hat gesagt, dass ich eine Tüte voller Bonbons nicht tragen könnte.“ Das überzeugte.

„Kurze Hose, langes Hemd, die Haare auf halb Acht; ein bisschen wie Michel aus Lönneberga“ – so kam Ganderkesees amtierender Faschingsprinz Olaf I. Sievers an seinem ersten Schultag 1979 in die Grundschule am Bookholzberger Ammerweg. Er sei der jüngste von mehreren Grüppenbührenern gewesen – „aber nicht der harmloseste“. Zu Streichen wollte er sich nicht äußern – „lieber nicht“. Vor der Schule sei damals jedes Kind mit zwei Figuren – „zwei stehende Igel“ und einem Schild „Mein erster Schultag“ abgelichtet worden, erinnert er sich. Zurück zu Hause, sei er „gleich weg gewesen“. Schließlich warteten auf dem Sportplatz die anderen Kinder aus dem Dorf.

Ganz anders Rita Wieneke, heute Leiterin der Grundschule Lange Straße. „Ich habe schon nach dem ersten Schultag zu Hause erzählt, dass ich Lehrerin werde.“ Begeistert war sie – und          machte sich Gedanken, „wie Schule schön ist“. Sie und die anderen Kinder aus der Siedlung Goseplack hatten „sicher zwei Kilometer“ zu Fuß bis zur Volksschule Lichtenborn (Kreis Northeim) zurückzulegen, den braunen Ledertornister mit Schiefertafel samt Lappen, Griffelmappe und Fibel auf dem Rücken („Hefte gab es nicht“). Ein Hindernis auf dem Weg: frei laufende Gänse auf dem Markt. „Vor denen hatte ich Angst, wir mussten sehen, wir wir dran vorbeikamen.“

Acht Schulanfänger seien damals in die Volksschule eingeschult worden, zwei Mädchen und sechs Jungen. „Wir Mädchen waren ein bisschen plietscher als die Jungs, die haben von uns abgeschrieben“, erinnert sich Wieneke vergnügt.

„Volksschule“ hieß die heutige Grundschule Habbrügge, als Ganderkesees Gemeindebrandmeister Horst-Dieter Meyer dort am 1. April 1960 eingeschult wurde. Einzelheiten seien aus dem Gedächtnis gelöscht. Er sei wohl eher ein schüchternes Kind gewesen, sagt Meyer, habe keinen größeren Blödsinn gemacht („vielleicht später“).

„Sehr nett“ und „sehr engagiert“ fand er seinen Lehrer Adolf Meyer, der die Klassen 1 bis 4 unterrichtete und die Kinder später sogar einmal zu einer privaten Feier eingeladen habe. Ach ja, ein Foto vom Einschulungstag gebe es auch – allerdings nicht mit einer Tüte, sondern einem Strauch in der Hand.