Oldenburg - Große oder kleine Schultüten, feingemachte Erstklässler: Einerseits gleichen sich die Motive, die NWZ -Leserinnen und Leser in diesen Tagen schicken. Das liegt in der Natur des Themas. Andererseits sind sie doch ganz verschieden und spannend: Haar-, Hosen- und Rocklängen unterscheiden sich – je nach Jahrzehnt. Und die persönlichen Geschichten spiegeln die Zeiten wider.

Lob für die interessante Serie „Mein erster Schultag“ gab es auch schon von den NWZ -Leserinnen und Lesern.

Sigrid Singer aus Eversten, Mitbegründerin des Ambulanten Hospizdienstes in Oldenburg, erinnert sich an ihre Einschulung zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Markneukirchen im Vogtland: „Es war der 30. März 1940. Draußen stürmte, schneite und regnete es. Es war verboten, eine Zuckertüte mit zur Schule zu bringen. Wir befanden uns im ersten Kriegsjahr.“ Der Rektor habe dann eine wütende Ansprache gehalten und „auf die bösen Feinde geschimpft, was wir Kinder nicht verstanden“. Am Ende mussten dann alle Kinder mit erhobenem rechten Arm aufstehen und das Deutschland-Lied singen.

Daheim habe sie dann doch eine wunderschöne Zuckertüte mit Ball, Süßem und Keksen bekommen. Im Jahr darauf seien dann die Schulanfänger mit einem Theaterstück empfangen worden und durften auch ihre Zuckertüten mitbringen.

Mitten im Krieg, im Herbst 1943, wurde Ingrid Heinemann in die Mädchenschule an der Alteneschstraße eingeschult. Süßigkeiten oder Schultüten gab es zu dieser Zeit für sie nicht. „Für mich war der erste Schultag nichts Besonderes“, schreibt sie, und an Fotos dachte zu jener Zeit ohnehin niemand. Dennoch erinnert sich Ingrid Heinemann an diesen Tag genau. Ihr Vater sei als Soldat an der Front gewesen, und so begleitete die Mutter das Mädchen den halben Weg zur Schule.

Fräulein Dora Krey, so hieß die Lehrerin, habe dann jeden an seinen Platz an einem kleinen Zweiertisch begleitet und alle Namen vorgelesen. Ingrid Heinemann saß neben der blondgelockten Hildegard. Die Sitznachbarin kannte sie schon aus dem Kindergarten. Das Stillsitzen sei ihnen schwergefallen, berichtet sie. Dann sei erst sie, dann auch Hildegard aufgestanden, und sie seien durch das Klassenzimmer spaziert. Fräulein Krey habe es geduldet. In ihrem Tornister lagen eine Tafel mit Tafellappen, ein Schwamm in der Schwammdose und ein Griffelkasten mit allerlei Utensilien. Für das Frühstücksbrot gab es eine kleine Brottasche. Nach dem halben Tag sei es dann wieder zurückgegangen in den Kinderhort an der Bremer Straße/Ecke Cloppenburger Straße.

70 Jahre zurück liegt auch der erste Schultag von Wolfgang Oehrl, dem Gründer des Nabu-Hauses. Am 2. September 1942 kam er stolz mit der Schultüte aus der Grundschule Gotenhafen (Gdingen, heute: Gdynia) bei Danzig. „In der ersten Klasse saßen vorne die deutschen, hinten die polnischen Schüler“, berichtet er, „eine Art Integrationsschule, obwohl dieses Wort damals unbekannt war.“ Lehrer Gast habe die in den hinteren Reihe Sitzenden ermahnt, Deutsch zu sprechen.

Die erste Seite der Fibel sieht er noch heute vor Augen: „Ei, – ein Ei“ mit entsprechenden Zeichnungen. Beim Nachhauseweg zu Fuß kam er mit den neuen Klassenkameraden am bisherigen Kindergarten vorbei. „Wir versäumten selten, an dessen Scheiben zu klopfen – die ,Kleinen’ und die ,Tanten’ sollten sehen, dass wir jetzt Schüler waren!“