Sande - „Ich fühle mich schon ein bisschen wie ein schottischer Schüler“, sagt ein Junge aus der Grundschule Sande, der gerade einen Pullover der schottischen Schuluniform aus der Gartcosh Primary School in North Lanarkshire Council probiert. Fleißig übt er sich im Gespräch mit Rachel Neilly, klar, dass englisch gesprochen wird, auch wenn die Lehrerin aus Schottland sehr gut Deutsch spricht und versteht. Genau so hatte Schulleiterin Susanne von Senden sich das vorgestellt, als sie ihre Kollegin zum Gegenbesuch in Sande einlud.

Eine Woche lang hat Rachel Neilly in der Sander Grundschule verbracht, nimmt nun viele neue Eindrücke mit nach Schottland. Der Kontakt entstand, als von Senden im Februar nach Schottland reiste und dort die Gartcosh Primary besuchte. Damals gab es noch keine persönlichen Kontakte, der Besuch war über den pädagogischen Austauschdienst angebahnt worden.

Doch schnell war man sich damals einig, dass der Kontakt bestehen bleiben und ausgebaut werden sollte. Nun also war Rachel Neilly in Sande.

Hier staunte sie über das großzügige Platzangebot in der Grundschule, in Schottland sei es viel beengter, berichtete sie. Zugleich aber wunderte sie sich über die spärliche technische Ausstattung an der deutschen Schule. Die Arbeit mit Smartboards, Laptops und anderen modernen Medien sei in Schottland schon in den Grundschulen selbstverständlich, wenngleich auch sehr stark von Datenschutzbestimmungen reglementiert, berichtete sie.

Bei dem Austausch ging es einerseits um die Fremdsprache, denn die 37-Jährige ist an ihrer Schule für die Fremdsprachen verantwortlich. Deutsch sei in Schottland beliebt, weil die Eltern sich für ihre Kinder auch berufliche Vorteile versprechen, zum Bespiel durch ein Studium in Deutschland.

Doch nicht nur Sprache, auch die Kultur sei ein wichtiger Faktor, waren sich die Lehrerinnen einig. So hatte Neilly auch Schuluniformen im Gepäck, die die Sander Schüler nun probieren durften. Sie waren regelrecht begeistert, würden am liebsten selber ab sofort solche Uniformen tragen. Die Kleidungstücke werden in Sande bleiben, deshalb sucht Susanne von Senden nun eine Schaufensterpuppe in der Größe eines Grundschülers, so dass die Stücke angemessen präsentiert werden können.

Der Gedanken- und Erfahrungsaustausch soll weitergehen, Neilly hofft, dass es gelingt, einmal mit einer Klasse nach Sande zu kommen.