Cloppenburg - In diesem Jahr feiern die Berufsbildenden Schulen am Museumsdorf ihr 150-jähriges Bestehen. Die NWZ -Serie „Rückblick auf die Schulgeschichte“ richtet sich diesmal auf die Handelslehranstalt, die heute noch vielen älteren Menschen der Region ein Begriff sind. Er entstand 1943, als die Berufsschule Cloppenburg in zwei neue selbstständige Schulen aufgeteilt wurde. Zusätzlich zu dem in Teilzeitform geführten Berufsschulunterricht richtete man nun auch Vollzeitklassen ein, die an allen Wochentagen besucht wurden. Das neue schulische Vollzeitangebot hieß „Mittlere Handelsschule“. Sie wurde von Schulabgängern der Volksschule besucht und schloss nach zwei Jahren mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung ab. Mädchen und Jungen wurden in den ersten Jahren getrennt unterrichtet.
Schwieriger Start
Der Start der Handelslehranstalt unter der Leitung von Gustav Trede gestaltete sich schwierig. Größtes Problem war in dieser Zeit der Mangel an Unterrichtsräumen. Nach der Schulteilung blieben die Berufsbereiche Gewerbe, Landwirtschaft und Hauswirtschaft in dem wenige Jahre zuvor von der Berufsschule bezogenen Gebäude, der „Röthepolschen Schule“ an der Ecke Eschstraße/Fortmannsweg. Die Handelslehranstalt unterrichtete zunächst auf der anderen Straßenseite in Räumen der Landwirtschaftsschule.
Aber schon zwei Jahre später mussten sich beide Schulen neue Räume suchen, denn nach dem Bombenangriff vom 10. April 1945 war das Gebäude der Berufsschule komplett zerstört gewesen. Auch die Landwirtschaftsschule erlitt große Schäden, konnte aber später wiederhergestellt werden.
Der Unterricht der Handelslehranstalt fand nun zunächst in verschiedenen Gastwirtschaften (Zum Stau, Hessing, Paul, Wienken) in Cloppenburg statt. Ab dem Schuljahr 1946/47 stellte der Landkreis dann eine der drei zweistöckigen Baracken auf dem Friesoyther Marktplatz – an dieser Stelle befindet sich heute die Paul-Gerhardt-Schule – für beide Schulen zur Verfügung. Die Handelslehranstalt belegte den der Straße zugewandten Teil der Baracke. Die Bedingungen waren miserabel, und der Unterricht musste schon im Januar und Februar 1947 wegen Kälte ausfallen. Schulleiter war in dieser Zeit Dr. Johannes Werres (1946 bis 1960). Zusätzlich zur Zweijährigen (Mittleren) Handelsschule richtete er im April 1947 die Höhere Handelsschule ein.
Widrige Bedingungen
Die widrigen Unterrichtsbedingungen für die Schule änderten sich erst 1956. In diesem Jahr entstand ein neues Schulgebäude an der Museumstraße. Mit dem Umzug in die Museumstraße wurde die Berufsbildung ein weiteres Mal neu zugeschnitten, denn der Berufsbereich Landwirtschaft wurde eine selbstständige Schule (die NWZ berichtete). Vier Jahre nach dem Umzug wurde Gustav Trede, dem die Schulleitung der Handelslehranstalt bei Kriegsende entzogen worden war, wieder Schulleiter. Er blieb bis 1965 in diesem Amt. Sein Nachfolger war für neun Jahre Paul Langer. In seiner Zeit entstand das Wirtschaftsgymnasium an der Schule.
Für die Genehmigung der neuen Schulform – zunächst unter dem Namen Wirtschaftsoberschule – war entscheidend, dass die Schule gegenüber der Bezirksregierung ausreichend Lehrer vorweisen konnte, denn Diplom-Handelslehrer waren zu dieser Zeit rar. Neu an die Schule kamen in diesem Jahr Werner Königschulte und Dieter Wölbern. Diese beiden Lehrer prägten den Wirtschaftslehreunterricht am „WG“ über viele Jahre.
Neues Gebäude
Das Schulgebäude an der Museumstraße erhielt schon 1968 einen Anbau für das soeben eingerichtete Gymnasium. Der „Trakt 3“ wird noch heute vorrangig vom gymnasialen Zweig der Schule belegt. Ende der 1960er Jahre wurde die Schule außerdem mit der passenden berufsbezogenen Technik (Buchungsautomaten) ausgestattet. 1974 war die Handelslehranstalt 31 Jahre alt, 35 Lehrkräfte unterrichteten dort. Schulleiter Langer ging in den Ruhestand, und die Schule bekam einen anderen Zuschnitt und den Namen „BBS I“.
