Bloherfelde - Für die einen hat das neue Schuljahr grade erst begonnen, die anderen legten schon vor 50 Jahren ihre Abiturprüfung ab. Die aktuellen Schülerinnen und Schüler des Oldenburg Kollegs trafen am Freitag auf 20 Jubilare des Abiturjahrgangs 1965. Jüngere wie ältere Generation hatten sich viel zu erzählen.
Das Oldenburg-Kolleg und das im gleichen Gebäude (Theodor-Heuss-Straße 75) untergebrachte Abendgymnasium sind ganz normale staatliche Schulen. Auf dem Zweiten Bildungsweg werden hier zwei unterschiedliche Wege zum Erwerb des Abiturs oder der Fachhochschulreife angeboten. Sie seien davon überzeugt, dass es nach wie vor von großer Bedeutung ist, bereits erwachsenen jungen Leuten die Möglichkeit zu bieten, sich über den zweiten Weg neu auszurichten, um so zu einem erfüllten Leben zu gelangen, gab Dr. Edmund Höweling die Meinung der Jubilare weiter.
Das Ziel – nämlich das Abitur am Oldenburg-Kolleg zu schaffen – ist heute wie damals das gleiche. Aber sonst gibt es viele Unterschiede. Einige brachten die aktuellen Kollegiaten dann auch mächtig zum Staunen.
Eine Aufnahmeprüfung gibt es heute nicht. Das war in den 60er-Jahren ganz anders. Noch gut kann sich Edmund Höweling an die einzelnen Phasen erinnern von der Bewerbung über die schriftliche Prüfung zum Intelligenz- und Persönlichkeitstest an der damaligen Pädagogischen Hochschule Oldenburg, dann noch eine mündliche Prüfung und manchmal zusätzlich Einzelgespräche. „Ich hatte so eines, in dem es zum Beispiel darum ging, was Vorsicht und was Feigheit ist.“
Der heute 77-Jährige bestand anspruchsvolle Aufnahmeverfahren für das Schuljahr 1962/63 und mit ihm noch 26 weitere Bewerber. „Am Anfang standen genau 648 schriftliche Bewerbungen“, weiß Höweling. In den einzelnen Test- und Prüfungsphasen wurde ordentlich ausgesiebt.
Die erfolgreichen Bewerber nahmen dann Ende März 1963 ihr Studium auf, allerdings damals noch im Standort des Kollegs in Delmenhorst (im Wichernstift, das am Freitag auch ein Ziel war). Und das wurde internatsmäßig geführt. Mit der Aufnahme ins Kolleg erhielten sie ein Stipendium des Landes Niedersachsen. Kost und Logis im Internat waren somit bezahlt. „Und es gab noch 50 DM Taschengeld im Monat“, sagt Edmund Höweling.
Der 77-Jährige beschreibt: „Die Arbeit der Kollegiaten, die bei ihrem Eintritt in das Kolleg bereits alle über berufliche Erfahrungen verfügten, war gekennzeichnet durch ausgeprägten Teamgeist und kollegialer Hilfsbereitschaft, hoher Motivation und einem starken Arbeitswillen, so dass alle Kollegiaten des Jahrgangs 1963 bereits nach zwei Jahren auch ihre Abiturprüfung gemeinsam ablegen konnten.“
Nach dem Abitur 1965 ging es unverzüglich ins Studium. Auch hier waren die Ehemaligen in der damals geltenden Mindeststudienzeit erfolgreich. Acht schlossen ihr Studium auch mit Promotion ab. Einer trat später noch seine Hochschullaufbahn als Professor an.
Wichtig ist den Ehemaligen aber eines besonders, und das gaben sie auch an ihre aktuellen Nachfolger weiter: „Am Kolleg bildeten sich enge Freundschaften, die zum großen Teil noch heute bestehen.“ Alle zwei Jahr treffen sich die Abiturienten und nehmen weite Wege auf sich.
