Westerburg - Es ist eine Glaubensfrage: Soll Natur möglichst ungestört bleiben oder dem Menschen auch als Anschauungsobjekt dienen? Bezogen auf das Schwarze Moor am Grenzweg in Westerburg ist die Entscheidung schon vor Jahren gefallen. Dieser wiederbelebte Lebensraum für selten gewordene Pflanzen und Tiere ist für Besucher offen. Mit EU-Geldern ist 2012 ein Naturlehrpfad angelegt worden, vor kurzem sind die letzten Informationstafeln gekommen. Das Gebiet ist damit für Gruppen, aber auch einzelne Besucher offiziell geöffnet.
In Zusammenarbeit mit der Ländlichen Erwachsenenbildung informierten die beiden Biologen Rüdiger von Lemm und Jörg Fittje, die das Projekt seit 2005 betreuen, Gästeführer aus den Gemeinden Wardenburg, Hatten und Großenkneten über die Flora und Fauna. Die Gästeführer sollen künftig als Multiplikatoren das Wissen um diese landschaftliche Idylle weitergeben.
Der Landkreis Oldenburg hatte im Winter 2005/2006 ein umfangreiches Renaturierungsprojekt in dem etwa 8,5 Hektar großen Gebiet angestoßen. Damals gab es nur viele Fichten, einen entwässerten Moorbereich, Grünland und naturferne Gräben, erinnert Ursula Tröndle von der Unteren Naturschutzbehörde. Dank einer kontrollierten Umgestaltung gelang es, die darunter verborgenen großflächigen Hoch- und Niedermoore wieder zur Geltung zu bringen. Das erhaltene Samenpotenzial konnte wieder aktiviert werden, die alten Strukturen mit dem kleinräumigen Wechsel aus Dünen und feuchten Tälern entwickelten sich neu. Insgesamt wurden etwa 15.000 m³ Boden bewegt und mehrere 1000 m³ nährstoffreicher Oberboden entfernt. Finanziert wurden die Arbeiten aus dem Öko-Konto des Kreises, in das Investoren alternativ zu Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte einzahlen können.
Die Biologen von Lemm und Fittje haben seit Jahren dokumentiert, welchen Effekt die Landschaftsumwandlung auf die Tier- und Pflanzenwelt hatte. Seggen- und Binsensümpfe, nährstoffarme Kleingewässer, Silbergrasfluren und Sandmagerrasen sind wieder entstanden. Speziell in den feuchten und nassen Bereichen haben sich 14 gefährdete Pflanzenarten angesiedelt.
Seit der ersten Brutvogelerfassung 2006 konnten sechs neue Brutvogelarten nachgewiesen werden. Darunter drei Arten, die sich auf offene Lebensräume spezialisiert haben wie Kiebitz, Rohrammer und Schafstelze. Insgesamt treten vier Brutvogelarten auf, die als gefährdet gelten. „Unsere Prognosen sind noch übertroffen worden“, lautet Fittjes Fazit. Bezogen auf Amphibien besitze das Gebiet wegen seiner Gras- und Moorfrösche sogar landesweite Bedeutung.
„Gerade gut ausgebildete Gästeführer sind geeignet, Besucher mit dem außergewöhnlichen Biotop bekannt zu machen“, ist Karin Pieper, Ländliche Erwachsenenbildung Oldenburg, überzeugt. Der Ortsverein Westerburg hat die Patenschaft für das Gebiet übernommen und wiederholt mit Arbeitseinsätze von Birken und anderen unerwünschten Pflanzen befreit.
