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Aqua Toll „Schwimmbäder müssen erhalten bleiben“

Schortens - Der Ehrenvorsitzende des Bezirks Oldenburg-Nord der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Rolf Mrosek (Schortens) hat an die Mitglieder des Stadtrats Schortens und Bürgermeister Gerhard Böhling sowie den Kreistag Friesland und Landrat Sven Ambrosy appelliert, gemeinsam eine Lösung zum Erhalt der Wasserfläche im Schortenser Hallenbad Aqua Toll zu finden.

„Nur dann können unsere Kinder und Enkel auch in Zukunft schwimmen lernen“, schreibt Mrosek in einem offenen Brief.

Schutz vor Ertrinken

Wie berichtet, ist das Freizeitbad Aqua Toll seit fast zwei Jahren wegen Sanierungsbedarfs teilweise geschlossen. Noch immer ist unklar, wie es mit dem Hallenbad, das auch von Schulen und Vereinen zum Schwimmunterricht genutzt wird, weitergeht.

Die Stadt Schortens hofft angesichts eines Zuschussbedarfs von 600 000 Euro pro Jahr zum Betrieb des Schwimmbads auf finanzielle Unterstützung des Landkreises (die NWZ  berichtete). Auch eine Schließung des Aqua Toll ist kein Tabu mehr.

Laut Rolf Mrosek, der mehr als 25 Jahre lang die DLRG-Ortsgruppe Schortens-Jever und von 1997 bis 2013 den DLRG-Bezirk Oldenburg-Nord leitete sowie den Wasserrettungszug Friesland mitbegründete, ist die Schließung eines Bades zur Haushaltskonsolidierung gegen die Interessen der Bevölkerung: „Schwimmen zu können, ist der beste Schutz vor dem Ertrinken. Und es ist in erster Linie ein wichtiges Stück Daseinsvorsorge. Wir fordern deshalb eine Abkehr von der Politik der Bäderschließungen“, betont Mrosek.

Die DLRG beobachte mit Sorge die zunehmende Zahl an Schließungen kommunaler Bäder, den Bau von Spaßbädern, die für die Schwimmausbildung ungeeignet sind, und die abnehmende Schwimmfähigkeit der Bevölkerung, insbesondere der Schülergeneration. „Setzt sich dieser Trend ungebremst fort, müssen wir künftig wieder mit steigenden Fällen von Ertrunkenen rechnen“, befürchtet Mrosek.

Denn das Schließen von Bädern führe zu einem Rückgang bei der Schwimmausbildung: Bei ein bis zwei Stunden Schwimmunterricht pro Woche in Schulen seien lange Anfahrtswege hinderlich, zu befürchten sei, dass das Schulschwimmen ganz gestrichen wird. „Wir brauchen weiterhin eine schulnahe Bäderstruktur“, betont Mrosek deshalb.

Weniger Ausbildung

Er verweist auf Studien der DLRG, wonach aktuell der Großteil der Deutschen, nämlich 74 Prozent, zwischen dem fünften und dem zehnten Lebensjahr schwimmen gelernt hat – also in der Grundschule.

Zugleich belegten Studien, dass die Schwimmfähigkeit bei den heutigen Kindern abnimmt: Während 76,7 Prozent über 14 Jahr schwimmen kann, sinkt der Ausbildungsgrad der jüngeren Kinder im Durchschnitt auf 66,1 Prozent. „Nur noch 17,1 Prozent der Kinder haben nach Angaben der Eltern in der Schule schwimmen gelernt – ein riesiges Problem, das auch mit dem Rückgang des schulischen Schwimmunterrichts zusammenhängt“, so Mrosek.

„Die Schulen dürfen sich nicht still und leise aus dieser Verantwortung stehlen. Die Schwimmausbildung muss fester Bestandteil und Pflichtfach im Lehrplan in Frieslands Schulen bleiben“, betont er deshalb. „Unsere Forderung heißt: Bäder erhalten, Bäder bauen und nicht, sie wegzurationalisieren.“

Unterdessen geht in Schortens die Debatte um das Aqua Toll weiter. Der Kreistag Friesland wird in seiner Sitzung am 20. März entscheiden, ob und wie er den Betrieb des Hallenbads in Zukunft fördern und bezuschussen wird.

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