SEDELSBERG - In einem Korb hält Rita Schulte drei kleine Kätzchen, die erst sechs Wochen alt, aber schon im Alter von zwei Wochen ausgesetzt wurden. Derzeit werden die Tierbabys, die sich bei dem naßkalten Wetter einen Schnupfen zugezogen haben, in der Quarantänestation des Sedelsberger Tierheims wieder aufgepäppelt. Etliche Boxen mit kranken Tieren stehen in dem kleinen, gekachelten Raum. Auch die restlichen Zimmer des Katzenhauses sind voll besetzt.
Die Situation der herrenlosen Katzen, die sich im Tierheim in Sedelsberg befinden, hat sich in diesem Jahr dramatisch zugespitzt. Doch daran soll sich bald etwas ändern: Das Tierheim hat Geld bekommen, um sich an Kastrationen von Katzen zu beteiligen und so die große Anzahl der Tiere einzudämmen.
Bereits jetzt ist die Zahl der Katzen, die aus Kapazitätsgründen nicht angenommen werden konnten, höher als im ganzen letzten Jahr. Rita Schulte, die das Tierheim leitet, erklärt: „Wir mussten in diesem Jahr schon wieder mehr als 300 Katzen ablehnen.“ Jetzt müsse sogar der Aufenthaltsraum der Angestellten zum Katzenhort umgebaut werden, um noch einige der Vierbeiner mehr aufnehmen zu können.
Mehr als 50 Katzen beherbergt das Tierheim, offiziell gibt es nur 30 Plätze. Auch steige das Budget des Tierheims von Jahr zu Jahr enorm an. Bekam das Tierheim 2009 noch 16 000 Euro für die Katzenversorgung, waren es 2010 schon 26 000 Euro.
Probleme gebe es, wenn die Katzen einfach ausgesetzt würden. Diese in „Freiheit“ lebenden, streunenden Katzen vermehrten sich dann unkontrolliert, so Schulte. „Eine geschlechtsreife Katze kann zwei Mal im Jahr drei bis fünf Welpen bekommen“, weiß die Tierheimleiterin. Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, die Katzen zu kastrieren. Schulte geht noch weiter. Sie fordert eine Kastrationspflicht, die vom Landkreistag allerdings erlassen werden müsse. Doch auch das schrecke viele Katzenbesitzer wohl nicht ab, ihre Katzen auszusetzen, meint Schulte. „Schließlich kostet das Kastrieren einer Katze 100 Euro, bei einem Kater kostet es 60 Euro.“
Hilfe bietet das Tierheim nun sozial schwächeren Bürgern an, die ihre Katze kastrieren lassen möchten. Aus einem sogenannten Feuerwehrtopf des Deutschen Tierschutzbunds hat die Einrichtung nun 5000 Euro bekommen. „Mit diesem Geld zahlen wir 50 Prozent der Kastrationskosten“, berichtet Schulte. Während eines Aktionszeitraumes könnten sich dann Menschen melden, die ihre Katze kastrieren lassen wollen, lautet der Plan.
Des Weiteren wurde am Dienstag vom Cloppenburger Kreistag eine zusätzliche Summe von 5000 Euro für Kastrierungen bewilligt. Erleichterung für Schulte: „Das ist toll, denn mit 5000 Euro können wir dann die 50 Katzen hier im Heim kastrieren lassen.“ Danach, so hofft Schulte, würden einerseits auch im Tierheim weniger Katzenbabys geboren, andererseits müssten sie und ihre Angestellten nicht mehr so oft neue Bewohner wie die kleinen Katzen aufnehmen. Denn die hätten ihr ganzes Leben lang Probleme im Sozialverhalten, wenn sie nicht die ersten acht Wochen bei der Mutter verbrächten.
