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Von Peter Stange
Frage:
Frau Schrader, welches ist das Ziel Ihrer Untersuchung?
Schrader:
Vor allem soll geprüft werden, inwieweit sich das Training im Kursus tatsächlich nachhaltig positiv auf die Interaktion, die Umgehensweise, der Eltern mit ihrem Kind auswirkt.
Frage:
Welche Methoden wenden Sie an?
Schrader:
Verschiedene, unter anderem Fragebögen. Im Einzelnen muss ich das noch abstimmen. Ich bin gerade dabei, die Kursusteilnehmer kennenzulernen.
Frage:
Was macht die Kurse so interessant für die Wissenschaft?
Schrader:
Das Angebot ist in dieser Form neu hier in der Region. Im Übrigen ist das Eltern-Baby-Verhältnis ein Thema von wachsender Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund neuer Forschungsergebnisse zur Entwicklung des Säuglings.
Frage:
Was ist da wesentlich?
Schrader:
Vor allem, dass das Baby bereits ein hoch entwickelter kleiner Mensch ist, ein Bewusstsein mit kognitiven und emotionalen Bedürfnissen, der viel mehr braucht als nur Versorgung und Pflege.
Frage:
Was ist das, dieses Mehr?
Schrader:
Im Grunde alles, was jeder braucht: Zuwendung, Anregung Anerkennung, kurz, sensible positive Wahrnehmung seiner selbst als Person. Das ist ja das Bedeutsame dieser Kurse: Man kann lernen, auf das Kind in dieser Weise sensitiv einzugehen, seine Signale richtig zu deuten. Ganz falsch zum Beispiel ist das traditionelle „Ruhig-Schreien-Lassen“. Ein Kind, das schreit, hat einen Grund, es braucht etwas, und wäre es Trost, und man sollte es dann auch trösten und beruhigen.
Frage:
Wie kommt es, dass offenbar so viele Eltern-Baby-Beziehungen heute gestört sind?
Schrader:
Die Ursachen sind vielschichtig und psychologisch sehr differenziert zu betrachten. Ein eher äußerlicher Grund könnte sein, dass es die Großfamilie, das unterstützende soziale Netz, das den Eltern bei der enormen Umstellung, die es bedeutet, Kinder zu haben, hilft, so gut wie nicht mehr gibt. Die Familie heute muss sich solche Netzwerke erst schaffen, und nicht allen gelingt das. Zum „Netzwerken“ eignen sich die Eltern-Kurse der Bürgerstiftung übrigens auch sehr gut. Die Elternkurse der Bürgestiftung Varel/Friesische Wehde und des Sankt-Johannes-Hospitals werden wissenschaftlich begleitet. Dazu äußert sich
die Psychologie-Diplomandin Joana Schrader, die das Projekt betreut.