SILLENSTEDE - Unsere Kinder sind zukunftsfähig und stecken voller Potenziale – trotz ihrer Eltern und ihrer Schulen. Das ist das provokante Fazit der Vortragsreihe „Sillensteder Gespräche“, die mit einer nur schwach besuchten, aber interessant besetzten Podiumsdiskussion unter Leitung von NWZ -Redakteur Jürgen Westerhoff endete.
„Vielerorts werden Kinder heutzutage zur Unselbstständigkeit erzogen, ihnen wird von den Eltern zu viel abgenommen“, kritisierte Rüdiger Schaarschmidt, Leiter der Ev. Familienbildungsstätte Friesland-Wilhelmshaven. Er forderte, „Kinder aus der Verwöhnspirale zu holen und ihnen mehr zuzutrauen“. Kinder dürften auch mal auf die Nase fallen, so Schaarschmidt. „Eltern sollten ihren Kindern nicht das Fallen abnehmen, sondern ihnen zeigen, wie man wieder aufsteht.“
Auch die anderen Fachleute wie Wilhelmshavens Jugendamtsleiter Carsten Feist, die Realschullehrerinnen Ursula Oppolzer und Brigitte Kunze sowie Wilfried Steenblock, Leiter der Berufsbildenden Schule Friedenstraße Wilhelmshaven, machten eine Vielfalt von Gründen aus, was Kindern in ihrer Entwicklung behindere.
Der mediale Overkill mit Handy, Computer- und Fernsehkonsum zum Beispiel, der die Lernfähigkeit eklatant behindere, der Mangel an Bewegung, aber auch die im Vergleich zur Vorgängergeneration völlig veränderte Welt, in der Eltern immer flexibler sein und für weniger Geld mehr und immer länger arbeiten müssten. „So bleibt immer weniger Zeit, sich neben dem Erwerb des Lebensunterhalts auch noch im erforderlichen Maß um die Kindererziehung zu kümmern“, erklärte Feist.
Oppolzer und Kunze empfahlen, nach der Schule nicht gleich fernzusehen oder am Computer zu spielen, sondern sich draußen auszutoben: „Sonst ist alles Lernen für die Katz.“ Unisono forderten alle Redner „mehr Lehrer in die Schulen“. Steenblock sieht die Schulen in ein Korsett gezwängt und plädierte für mehr Entscheidungsfreiheiten der Fachleute vor Ort.
