Petersdorf - Wie können Schüler besser lernen und so zu besseren Noten kommen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Andreas Hensing vom Verein LVB Lernen (Berlin) seit Jahren. Dieser Verein ist ein Zusammenschluss von Pädagogen, Lehrern und Menschen aus dem Bildungsbereich, die sich gemeinsam für bessere Bildung einsetzen. Hensing meint: Jeder kann das Lernen lernen. „Bei Problemen liegt es in der Regel nicht am kognitiven Potenzial, sondern die Schüler lernen schlicht falsch.“ Der Schulelternrat der Grundschule Petersdorf hatte den Lerncoach eingeladen. Der hatte eine ganze Reihe Tipps dabei.

Lernmotivation hänge von Erfolgen ab, sagte Hensing. Leider sei das Bildungssystem häufig fehlerfixiert. Erfolgreich seien Schüler, wenn sie es schafften, Informationen im Langzeitgedächtnis zu speichern. Das gelinge vor allem, wenn sie emotional verknüpft seien.

Sieben Informationen gleichzeitig – dann ist das Ultrakurzzeitgedächtnis in der Regel „voll“. Werden es mehr, kann das sogar dazu führen, dass man sich weniger merken kann. Rund 20 Minuten dauere es, bis der Lernstoff sich ins Langzeitgedächtnis eingelagert habe. Eine fragile Phase, in der nichts schädlicher sei, als die Kinder am Computer spielen oder fernsehen zu lassen. Die Folge: „Der Lernstoff kann sich nicht richtig festsetzen“ und wird schnell wieder vergessen.

Strukturiert zu lernen, sei der Schlüssel zum Erfolg, sagte Hensing: Informationen in Schubladen unterteilen erleichtere, sie zu erinnern. Denn sich in der „Lagerhalle des Gedächtnisses“ zu orientieren, um auf die richtigen Informationen zuzugreifen, falle umso schwerer, je unstrukturierter gelernt wurde.

Wichtig sei, möglichst viele Sinne beim Lernen anzusprechen. So könne man etwa bei der Vorbereitung auf ein Diktat ein Wort, das Schwierigkeiten bereitet, abfotografieren oder groß abschreiben und das Kind es genau ansehen lassen. So wird das Wort visualisiert und prägt sich ein.

Ständige Wiederholungen helfen, das Erlernte nicht zu vergessen. Nach einer Woche ist gerade einmal die Hälfe des Erlernten vorhanden, spätestens nach einem halben Jahr ist es völlig weg. Deshalb: „ein paar knackige Minuten am Tag“ in Wiederholungen investieren, am besten ritualisiert jeden Tag fünf Minuten – keine Minute länger, um für Kinder berechenbar zu bleiben. Ganz wichtig etwa beim kleinen „1 Mal 1“ – die Grundlage für späteren Erfolg in Mathematik. Die Zahlenreihen könne man sich ruhig an den Spiegel im Badezimmer hängen, so werde die Zeit beim Zähneputzen noch sinnvoll genutzt.

Pädagoge Hensing stellte verschiedene Lerntypen vor, die unterschiedlich mit dem Stoff umgehen. Der Satz „Ich kann kein Mathe“ von einem Kind gesprochen „dürfen wir nicht zulassen“, so Hensing. Denn „jedes Kind kann Mathe“, wenn es richtig lerne.

Der logisch-abstrakte Lerntyp besitze eine schnelle Auffassungsgabe, sei wissbegierig, suche Strukturen und Logik. Er fühlt sich schnell unterfordert und sei ein Einzellerner.

Der sicherheitsliebende Lerntyp ist eher still und wünscht sich Ruhe, ist sehr gewissenhaft, fleißig. Er braucht aber auch Zeit.

Der kreativ-chaotische Lerntyp ist fantasievoll, gesellig, spaßorientiert, liebt Spiele. Seine Arbeit ist eher durch Chaos geprägt, er ist unordentlich und beteiligt sich mündlich rege.

Der emotionale Lerntyp ist ein Gefühl- und Bewegungslerner. Er lernt langsam, geht impulsiv an Dinge heran, braucht Geborgenheit, muss sich wohlfühlen, nimmt Stimmungen wahr, neigt aber auch zu Selbstvorwürfen.

Jedes Kind, jeder Mensch vereine alle vier Lerntypen in sich, die unterschiedlich ausgeprägt seien. Kein Lerntyp sei klüger oder dümmer, sagte Hensing, sie unterschieden sich darin, wie sie an den Stoff herangingen und sich im Unterricht verhielten.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)