„Hausverbot für den Abitur-Jahrgang“, Ð -Bericht vom 22. März
Empörend! Da haben am Montag die Fast-Abiturienten des Gymnasiums ihren letzten Schultag, und anstatt sich brav die Zeugnisse abzuholen, wie es sich gehört, rotten sie sich zu früher Stunde schon auf dem Schulhof zusammen. Auch Alkoholisierte sollen sich dazugesellt haben. Ein Abgrund von Verwahrlosung.
Wie in solchen Situationen zu erwarten, eskaliert das unentschuldbare Treiben. Als gehöre die Schule ihnen, dringt die Horde „randalierend“ in das Gebäude ein, wahrscheinlich auch in zerstörerischer Absicht, besetzt grölend einen Klassenraum, bis sich der dort Unterrichtende nicht mehr zu helfen weiß und sich in seiner Not zum Schulleiter begibt und diesen aufgelöst um Amtshilfe ersucht. Der Direx gerät in einen heiligen und sehr verständlichen Zorn. Er schreitet ein. Eine Beruhigung der Lage will ihm aber dennoch nicht so recht gelingen.
Vielleicht hätte er zunächst versuchen sollen, regimetreue Kollegen zu rekrutieren, um gegen diesen gefährlichen Haufen vorzugehen. Nein, um eine akute Gefahr von der Schule augenblicklich abzuwenden, entschließt er sich dazu, außerschulische Machtmittel zu mobilisieren und die Polizei anrücken zu lassen. Dass es letztlich nicht zur Ausführung dieses Rettungsplans kam, ist dann wohl doch dem enttäuschten Einlenken der Schüler zu schulden.
Oh je! Kopfschütteln! Diese Schüler haben viele Jahre das Schulleben mitgeprägt, und nicht nur negativ, wie es jetzt den Anschein haben muss. Sie haben neben schönen Erfahrungen auch Frust und Entbehrungen auf sich genommen, um ihr Schulziel zu erreichen.
Schon seit Wochen freuen sie sich darauf, wie alle ihre Vorgänger, am letzten Tag „die Sau rauszulassen“. Jeder, der schon mal an einer Schule tätig war, erinnert sich mit Grausen an solche Tage, an denen einem die gewohnten Machtmittel genommen zu sein scheinen, an die Schülerscherze, bei denen man hilflos der Gefahr ausgesetzt ist, veräppelt zu werden, einer Gefahr allerdings, der sich besagter Schulleiter durch Abwesenheit noch nie ausgesetzt hat. Wie muss es aber um die pädagogischen Erfolge einer Schule bestellt sein, die gegen Teile des eigenen „Schulvolkes“ die geballte Kraft externer Mächte einzusetzen erwägt?
Es drängen sich da Assoziationen auf, die ich mich hüte, weiter zu vertiefen. Dennoch muss ich sagen, eine souveräne Schulleitung habe ich mir bisher anders vorgestellt.
Uwe Haars, Nordenham
