Das Beispiel der zehnjährigen aus Varel ist kein Einzelfall. Ein weiteres körperbehindertes Kind aus Wiefelstede hatte sich Hoffnungen gemacht.
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VAREL - Das private Jade-Gymnasium in Jaderberg hat ein weiteres Kind mit Hinweis auf eine Körperbehinderung abgelehnt. Das wurde am Freitag nach der Veröffentlichung der
NWZ
über das Schicksal der zehnjährigen Anna-Sophie aus Varel bekannt (die
NWZ
berichtete).
Der zehnjährige Jonas aus Wiefelstede hatte sich ebenfalls um Aufnahme am privaten Jade-Gymnasium beworben – wie die zehnjährige Anna-Sophie aus Varel, die wegen ihrer Körperbehinderung abgelehnt worden war. Beim Aufnahmegespräch habe das auch alles positiv geklungen, berichtete die Mutter von Jonas. Dann kam die Absage mit Hinweis auf seine Körperbehinderung. Jonas leidet an einer halbseitigen Lähmung, er kann frei gehen, benötigt bei längeren Strecken einen Rollator beziehungsweise einen Rollstuhl. In der Grundschule in Wiefelstede, die er mit einem Notenschnitt von 1,8 und einer Empfehlung für das Gymnasium verlassen hatte, war das auch alles gut gegangen.
Oberstudiendirektor Günter Mertins, Leiter des privaten Gymnasiums, bekräftigte auf
NWZ
-Anfrage die Ablehnung. „Die Möglichkeiten sind aufgrund unserer baulichen Situation und auch personell begrenzt.“ Generell nehme die Schule behinderte Kinder auf, aber jeder Einzelfall werde geprüft, ob „wir uns einer solchen Aufgabe auch gewachsen sehen“, sagte Mertins. Die Schule verfüge nicht über einen Fahrstuhl und Fachräume befänden sich im zweiten Stock. Wenn ein Kind gehbehindert sei, reiche auch ein Integrationshelfer nicht. Die Schule könne nicht alle Fachräume oder Gebäudeteile umlegen. In diesem Jahr seien deshalb zwei Kinder wegen einer Körperbehinderung abgelehnt worden.Für Jonas hat der Unterricht übrigens in der Realschule Wiefelstede begonnen. Andere weiterführende Schulen im Ammerland seien keine Alternative. Die Realschule in Wiefelstede besuchen auch Jonas Freunde. „Das Thema ist für ihn abgehakt“, sagte seine Mutter. „Aber die Öffentlichkeit muss das wissen“, sagte sie. Von der Ablehnung eines weiteren Kindes hatte sie in der
NWZ
gelesen: „Wir sind erbost.“