Rostrup - Gefühle stehen am Montagmorgen in der Deutschlernklasse auf dem Stundenplan. „Heute bin ich fröhlich“, sagt Zlatko. Der Neunjährige aus Montenegro sitzt mit neun anderen Kindern und Lehrerin Ursula Bekaan im Kreis. Nach und nach sollen alle Kinder ihre Gefühle benennen. Einige besuchen die Grundschule Rostrup seit ein paar Monaten, andere erst seit ein paar Tagen, so wie Elmedin, Alan und Muselfa ein Stockwerk tiefer.

In zwei Deutschlernklassen werden Grundschulkinder aus dem Ammerland in Rostrup unterrichtet. Hier sollen sie die neue Sprache in kleinen Gruppen lernen, bevor sie an die Schule an ihrem Wohnort wechseln. 22 Kinder aus zehn Nationen – Flüchtlingskinder ebenso wie Kinder von Zuwanderern – werden von Bekaan und ihren beiden Kolleginnen Julia Heike und Gerlinde Ley-Schwitters unterrichtet. „Endlich haben wir auch die Lehrerstunden“, freut sich Schulleiter Patrick Wulf. „Zwei Jahre hat das gedauert.“ Zwar gibt es die zweite Klasse bereits seit Februar, dieses Jahres. Bisher musste die Schule aber mit den vorhandenen Lehrern klar kommen. „Dabei ist es für die Schüler besonders wichtig, eine feste Bezugsperson in Form von Klassenlehrern zu haben“, betont Wulf.

Für den Schulleiter haben die Deutschlernklassen einen großen Vorteil gegenüber der Förderung in der Regelschule: „Die Kinder sind hier in einer Situation, in der sie sich nicht über die Sprache beweisen müssen. Sie können sich so ganz entspannt einfinden.“ Binnen rund drei Monaten seien die meisten so weit, dass sie sich auf Deutsch verständigen können. Nach und nach werden die Kinder dann an den Unterricht in einer Bezugsklasse herangeführt.

Eine „offene Baustelle“ hat Wulf aber noch: „Uns fehlt ein Sozialpädagoge für all das, was über den Unterricht hinaus geht.“ Bisher müssten sich die Klassenlehrerinnen nämlich auch um Organisatorisches kümmern, etwa wenn Kinder ein Fahrrad benötigen. Vor allem aber auch für den Umgang mit Konflikten sei ein Sozialpädagoge wünschenswert. Denn: „Es steckt oftmals mehr dahinter, als wir uns vorstellen können. All diese Kinder bringen eine Geschichte mit.“

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)