Rodenkirchen - Auf der ganzen Welt spielen Kinder Fadenspiele: bei den Inuit im eisigen Alaska genauso wie bei den Aborigines im heißen Australien. Nur in Deutschland sind diese Spiele unbekannt. In ganz Deutschland? Nein, in Rodenkirchen entdecken Dritt- und Viertklässler der Grundschule diese Spiele am Freitag für sich.
Konzentriert wickeln sie sich lange, bunte Fäden um die Handgelenke und versuchen anschließend, diese Fesseln wieder zu lösen. Das ist gar nicht so einfach – weder das eine noch das andere. Immer wieder müssen die Lehrerin Monika Oldenburg und die pädagogische Mitarbeiterin Ewa Jäger helfen.
Ein paar Klassenräume weiter zerschneiden andere Schüler Fahrradschläuche und setzen aus den Ringen Chunkys zusammen, kleine Bälle, mit denen Kinder in der Himalaya-Republik Nepal spielen. Die Lehrerin Mareike Harms und der Integrationshelfer Roland Peter Schmidt unterstützen dabei. Anschließend spielen die Schüler auf dem Schulhof mit den Chunkys. Bis sie so gut damit jonglieren können wie die nepalesischen Kinder, müssen sie aber noch ein bisschen üben.
Das Lehrerkollegium arbeitet daran, den Horizont der 161 Schüler zu weiten. Der soll nicht an der Ortsgrenze enden, sondern die ganze Welt umfassen. Zwei Jahre lang, bis zu den Sommerferien, war Rodenkirchen Pilotschule für globales Lernen, seit Februar ist sie Fair-Trade-Schule.
Fair Trade ist der englische Ausdruck für gerechten Handel; der Käufer nutzt die schwächere Position des Erzeugers nicht aus, sondern zahlt auch dann für Kaffee, Schokolade oder Handwerksprodukte einen guten Preis, wenn er sie eine Ecke weiter deutlich günstiger bekommen könnte. Das soll den Erzeugern unabhängig von der Entwicklung des Weltmarktes ein gutes Leben ermöglichen.
Diese Einstellung betrifft keineswegs nur Erzeuger in fernen Ländern, sondern auch solche in der Nachbarschaft, wie das faire Frühstück zeigt, für das die Schule bei Erzeugern aus der Gemeinde gekauft hatte, die ihre Arbeitskräfte tarifgerecht bezahlen.
Dass man auch ohne Bezahlung zu neuem Spielzeug kommen kann, üben die Schüler zum Schluss bei der Tauschbörse in der Pausenhalle. Jeder bringt zwei Spielsachen mit und tauscht sie gegen zwei andere. Dabei erkennt manch einer plötzlich den Wert einer Sache – und tauscht sie zurück.
