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Austausch Sprache und Kultur kennenlernen

Rolf Bultmann

Nordenham - Das Bild des Bier trinkenden, Würste essenden und gefühlskalten Deutschen trifft nicht zu. Da sind sind sie sich einig. Aber das ist nicht die einzige übereinstimmende Erkenntnis, zu der Catalina Ferrero Giuricich aus Argentinien, José Barraza aus El Salvador, Nicole Berthelsen aus Italien und Momoka Furukawa aus Japan gelangt sind. Die vier Austauschschüler am Nordenhamer Gymnasium halten das Wetter in Deutschland für gewöhnungsbedürftig. Obwohl sie den Winter noch gar nicht erlebt haben, ist es ihnen zu kalt.

Es sei eher die Seltenheit, dass gleich mehrere Austauschschüler im Gymnasium zu Gast sind. Diese Gelegenheit biete auch den einheimischen Schülern die Gelegenheit zu einem vielfältigen kulturellen Austausch, berichtet Lehrerin Ines Becker, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Stefan Tönjes die jungen Gäste betreut. Bei Ines Becker erhalten die Austauschschüler zweimal in der Woche Unterricht im Fach „Deutsch als Fremdsprache“. Den Service, Deutsch in Kleingruppen sehr effektiv erlernen zu können, habe es nicht immer am Gymnasium gegeben, lobt Stefan Tönjes das Angebot.

Davon sehr profitiert hat die 16-jährige Catalina Ferrero Giuricich aus der 48000-Einwohner-Stadt San Lorenzo in Argentinien. Sie war im Februar nach Nordenham gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Mittlerweile spricht sie recht gut Deutsch und kann fast alles verstehen.

Besseres Schulsystem

Catalina, die die 11. Klasse des Gymnasiums besucht, ist aber nicht nur wegen der Sprache nach Deutschland gekommen. Sie will eine andere Kultur sowie Land und Leute kennenlernen. Zudem möchte sie das bessere Bildungssystem in Deutschland als Vorbereitung auf ein Studium der Agrarwissenschaft in ihrer Heimat nutzen. Catalina wohnt bei einem Paar in Ellwürden.

Noch einige Probleme mit der Sprache hat Momoka Furukawa. Bevor die 16-Jährige im August nach Nordenham kam, hatte sie in ihrer japanischen Heimatstadt Yokohama (3,8 Millionen Einwohner) erst zehn Monate Deutsch-Unterricht mit zwei Stunden pro Woche. Momoka nimmt insbesondere wegen des Erlernens der Sprache am einjährigen Austausch-Programm teil, möchte aber auch die deutsche Kultur kennenlernen. Dass sich die Deutschen bei der Begrüßung die Hand geben oder gar umarmen, ist für die Neuntklässlerin gewöhnungsbedürftig. Sehr angefreundet hat sie sich dagegen mit dem deutschen Essen. Bei ihrer Rückkehr nach Japan werden sich sicherlich einige Gläser Nutella in ihrem Gepäck befinden.

Wie Momoka und eine Austauschschülerin der Oberschule ist auch Nicole Berthelsen bei einer Familie in Einswarden untergebracht, deren 17-jährige Tochter sich um ihre drei Gastschwestern kümmert. Nicole, die in der Nähe von Mailand zu Hause ist, kam erst im vergangenen Monat nach Nordenham.

Italienisch kochen

Die 17-Jährige, die die 11. Klasse besucht, hat an ihrem heimischen Sprach-Gymnasium bereits seit drei Jahren Deutsch-Unterricht. Sie hofft, in drei Monaten sich ausschließlich auf Deutsch verständigen zu können. Weil sie das italienische Essen vermisst, kocht Nicole ab und zu für ihre Gastgeber-Familie. Was ihr fehlt, ist ein „richtig guter Kaffee“.

Dieser Aussage stimmt José Barraza zu. Der 15-Jährige aus Santa Tecla in El Salvador kam ebenfalls erst im September nach Nordenham und wird nur für drei Monate Austauschschüler am Gymnasium (9. Klasse) sein. In seiner Heimat besucht José einer Schule, in der der Unterricht in allen Fächern in deutscher Sprache erteilt wird. José spricht somit gut Deutsch. Er ist aber das erste Mal in Deutschland zu Gast und muss sich daran gewöhnen, dass „die Leute so schnell sprechen“. José wohnt bei einer Familie mit zwei Kindern (14 und 12 Jahre) in Blexen. Ihm schmeckt das deutsche Essen. Fasziniert war er bei einem Besuch am Tossenser Strand, dass das Wasser kommt und geht.

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