NWZ
berichtete). Nicht zuletzt habe der Kreis bei der Genehmigung des laufenden Haushalts „Konsumverzicht“ angemahnt, wie Thomas Eilers, Leiter des Fachbereichs Finanzen und Controlling, ausführte. Jährlich seien pro Stelle 45 000 Euro zu veranschlagen. Ein derartiger struktureller Zusatzaufwand auf Jahre hinaus sei derzeit nicht zu leisten.Um zumindest eine Stelle zu retten, schlägt die Verwaltung eine Finanzierung aus den strukturellen Überschüssen der städtischen Nieberding-Stiftung vor. Darüber sowie über eine eventuelle Umwandlung in Teilzeitstellen haben aber zuvor noch Finanzausschuss sowie Rat und Beirat der Nieberding-Stiftung zu befinden. Eine Finanzierung der zweiten vom Rat beschlossenen Stelle ist derzeit laut Eilers völlig unmöglich.
Konsterniert von der aktuellen Entwicklung zeigt sich Jan Pössel, Rektor der Realschule. „Eigentlich ist allen Beteiligten klar, dass es bei den Schulsozialarbeiterstellen nicht um Konsum, sondern um schlichte Notwendigkeit geht“, betont er. Es sei bezeichnend, welche Prioritäten die Stadt setze. Der Vertrag der Sozialarbeiterin, die seit Beginn des Schuljahres an der Realschule tätig ist, laufe bis Januar. Was danach komme, wisse man jetzt nicht mehr.
„Wir sind sehr zufrieden mit unserer Sozialarbeiterin. Sie macht Sozialtraining mit schwierigen Schülern, unterstützt Schüler und Lehrer in Notsituationen und stellt den Kontakt zum Jugendamt her, wenn der Verdacht besteht, dass das Kindeswohl gefährdet ist“, betont Pössel. Gerade letzteres komme an der Realschule mit rund 800 Schülern häufiger vor. Schulsozialarbeit beruhe auf Vertrauen und längerfristiger Zusammenarbeit und werde durch befristete Verträge nicht gerade erleichtert, so der Schulleiter weiter. „Wir erleben fast täglich, wie dringend Schulsozialarbeit ist und dürfen nicht locker lassen“, appelliert er an Eltern und Lehrer.
Auch Dorit Hielscher, Rektorin der Hauptschule, kann sich nicht vorstellen, wie es in der Praxis aussehen soll, wenn drei bis vier Wildeshauser Schulen sich eine Stelle teilen. „Den Wert der Schulsozialarbeit kann nur ermessen, wer einmal erlebt hat, was an unseren Schulen los ist“, mahnt sie eindringlich. Das aktuelle Vorgehen der Stadt führe zu großer Frustration bei Lehrern und Eltern.
Völlig unbegreiflich ist die aktuelle Entwicklung auch für Roswitha Remmert, Leiterin der Wallschule. „Wir kämpfen schon seit Jahren dafür, dass die Schulsozialarbeit fest installiert wird, damit gerade die Brennpunktschulen ihrem Bildungsauftrag vernünftig nachkommen können“, betont sie. Auch der politische Wille dazu sei da. Umso unbegreiflicher ist es für sie, „dass das jetzt einfach wieder einkassiert wird.“
