STAPELFELD - Mehr als 150 Besucher sind am Dienstagabend in die Katholische Akademie Stapelfeld gekommen, um sich den Vortrag „Die 15 Gebote des Lernens“ von Professor Dr. Peter Struck anzuhören. Der lockere Vortragsstil des Erziehungswissenschaftlers war gepaart mit Humor und Ironie, so dass dieser sich um die Aufmerksamkeit der Zuhörer keine Sorgen machen musste. Neben vielen Lehrern nutzten auch Eltern die Möglichkeit, die Vorstellungen von Struck zu hören.
Der Erziehungswissenschaftler aus Hamburg gilt als einer der führenden Experten im Bereich Schule und Pädagogik. Nach seiner Meinung sind die Grundschulen in Deutschland in einem guten Gesamtzustand. Dies treffe aber nicht unbedingt auf die anderen Schulformen zu. Daher ist Struck ein Verfechter der Grundschule bis zur zehnten Klasse.
Seine Favorisierung der Grundschule leitet er aus der Hirnforschung ab. Während Mädchen die Fähigkeit des Lernens durch Zuhören besitzen, sei der Lernprozess bei Jungen immer durch Kampf und Wettbewerb geprägt. Dieser Unterschied mache sich auch in der Schule bemerkbar. Jungen könnten nicht mehr mit den Mädchen Schritt halten. Sie stellten die Mehrheit der Sitzenbleiber und Schulabbrecher. Nur noch 46 Prozent der Gymnasiasten seien Jungen und ihr Abitur falle im Schnitt fast eine Note schlechter aus als das der Mädchen.
Für Struck muss das Lernen früher und ganz langsam beginnen. Ab dem 5. Lebensjahr sollte eingeschult werden und die Hochschulreife mit dem Abschluss der zwölften Klasse erreicht sein.
Struck fordert zudem, dass die „Unterrichtsvollzugsanstalten“ in Deutschland zu „Lernwerkstätten“ umgebaut werden. „Denn Kinder lernen besser durch Handeln und Sprechen als durch Zuhören. Und sie lernen in jahrgangsübergreifenden Lernfamilien mehr als bei einer Unterbringung nach Geburtsjahrgängen", meinte Struck.
Nach dessen Meinung benachteilige unser Schulsystem sogar die begabten Schüler. Je intelligenter ein Schüler ist, umso langsamer lerne er. Je dümmer ein Schüler ist, umso schneller lerne er, behauptete Struck und erklärte seine Aussage mit einem Beispiel. Die Aufgabe beginnt mit dem Satz: „Das Eichhörnchen legt vier Eier.“ Während der nicht so intelligente Schüler diese Aussage aufnimmt, stutzt der intelligente Schüler, weil Eichhörnchen doch gar keine Eier legen. Er befasst sich weiter mit dieser Frage, während der Lehrer schon weitere Aufgaben verteilt, die der Schüler gar nicht mehr wahrnimmt.
Außerdem sollte nach Struck die tageszeitabhängige Aufnahmefähigkeit der Schüler bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden. Kinder bis 13 Jahre seien beispielsweise in der Zeit von 8 bis 10 Uhr und von 14 bis 16 Uhr am aufnahmefähigsten. Deshalb plädierte der Wissenschaftler für die verpflichtende Ganztagsschule.
Auch die anschließende Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft. Neben vielen positiven Anregungen aus dem Publikum, äußerten einige Besucher aber auch Kritik.
