Stapelfeld - Rund 100 Delegierte der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB) und der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland (KEB) diskutierten während einer zweitägigen Fachtagung in der Katholischen Akademie Stapelfeld das Thema „Digitalisierung als Chance für die Demokratie“.

„Der digitale Wandel durchdringt zunehmend alle menschlichen Lebensbereiche und ist mittlerweile eine gesellschaftliche Realität“, sagte AKSB-Vorsitzender Gunter Geiger während einer Pressekonferenz. Es gehe bei dieser Fachtagung um die Frage, wie die AKSB und die KEB diese Digitalisierung mit entsprechenden Angeboten mitgestalten könnten. Die Digitalisierung sei nicht aufzuhalten, stellte er fest, man müsse sich die Frage stellen, wie man sich positioniere.

KEB-Bundesvorsitzende Elisabeth Vanderheiden machte es deutlich: „Nichts bleibt, wie es ist“. Die KEB müsse Orte finden, wo sich Menschen ausprobieren könnten und da sein, wo Sorgen und Ängste der Menschen Platz haben. Digitale Medien veränderten die Kommunikations- und Informationsgesellschaft, betonten Geiger und Vanderheiden. Dies wirke sich unmittelbar auf die demokratischen Strukturen aus. Umso mehr brauche es für die praktische Arbeit Orte der Vergewisserung und zur Standortbestimmung. Diese Orte schaffe die politische Bildungsarbeit mit ihren Angeboten und sie könne dabei helfen, eine digitale Ethik zu entwickeln und zu verbreiten.

Besonders auf die Partizipation bei der Digitalisierung ging Dr. Kira Nierobisch, Professorin für Methoden der sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Mainz, ein. „Wir müssen in die Lebenswelt der Menschen eindringen, Themen nennen und sie unter verschiedenen Aspekten anschauen“, schlug sie vor. Denn durch die Digitalisierung verändere sich nicht nur die eigene Wahrnehmung, sondern auch der Demokratiebegriff. Kritisch hinterfragen, verstehen und anwenden, sei ein Weg.

Hassreden und Fake-News stellten eine Gefahr für die Demokratie da, meinte Dr. Caja Thimm, Professorin für Medienwissenschaft und Intermedialität an der Universität Bonn. Die AfD sei von allen Parteien am stärksten im Netz vertreten, stellte sie fest. Sie warnte aber die anderen Parteien davor, deren Methoden anzuwenden.

Wichtig sei es, die Digitalisierung auf die Agenda aller Verbände und Interessengruppen zu setzen, sagte Thimm. Es kämen keine leichten Prozesse auf die Menschen zu, meinte sie. Bildungswerke, Kirchen und Volkshochschulen seien gefragt. „Es wird konkret um jeden einzelnen gehen“, machte die Professorin für Medienwissenschaft deutlich.