Oldenburg - Das Konzept des Vereins Konfliktschlichtung ist in Oldenburg längst etabliert. Mit seinem Täter-Opfer-Ausgleich genießt die Konfliktschlichtung hohe Anerkennung bei Polizei und Justiz. „Was die Qualität der Arbeit betrifft, hat der Verein Maßstäbe gesetzt und ist für viele ähnliche Einrichtungen Vorbild geworden“, lobt Generalstaatsanwalt Horst Rudolf Finger in der Festschrift. Und OB Gerd Schwandner sieht in der Arbeit einen maßgeblichen Beitrag „zum guten gesellschaftlichen Klima in unserer Stadt“.
Täter-Opfer-Ausgleich
Mit einer Fachtagung im Alten Landtag feiert der Verein, der in Niedersachsen zu den Pionieren des Täter-Opfer-Ausgleichs gehört, am Freitag, 7. September, sein 25-jähriges Bestehen. Seit 1987 bietet der Verein Konfliktschlichtung professionelle Konfliktbearbeitung. Dabei können Täter und Opfer in persönlicher Auseinandersetzung und unter neutraler Vermittlung ihren Streit – beispielsweise durch eine Entschuldigung oder Schadenersatzleistung – beilegen. Möglicherweise kommt es dann gar nicht mehr zu einem Straf- oder Zivilverfahren.
Inzwischen haben etwa 10 000 Jugendliche und Erwachsene an einer Mediation in Strafsachen oder einer Konfliktklärung in der Schule teilgenommen. Das kostenlose Angebot richtet sich an Jugendliche aus Oldenburg und an Erwachsene aus dem Landgerichtsbezirk. Die Vermittlung erfolgte zumeist durch Staatsanwaltschaft, Gericht und die Jugendgerichtshilfe.
Im Jugendbereich geht es in der Mehrzahl um Körperverletzungs- und Eigentumsdelikte. Ähnlich sieht es bei den Fällen der Erwachsenen aus. „Hier ist immer häufiger häusliche Gewalt und Stalking der Grund für ein Mediationsgespräch“, sagt Geschäftsführerin Veronika Hillenstedt.
Projekt „Pro-Kids“
Aufgrund vieler Anfragen von Schulen zum Thema „Umgang mit Konflikten“ ist 1996 aus dem Täter-Opfer-Ausgleich heraus „Pro-Kids“ (Projekt Konfliktschlichtung in der Schule) entstanden. Der Verein (vier feste Mitarbeiter sowie Honorarkräfte und ehrenamtliche Mitarbeiter) bietet dabei Konflikt- und Sozialtraining im Klassenverband, Elterntraining und Mobbingberatung an.
Finanziert wird die Arbeit durch Zuschüsse von Stadt und Land. Ein Drittel des Etats (etwa 55 000 Euro) muss der Verein (u.a. mit Hilfe von Spenden und Sponsoren) aber selbst aufbringen.
Die erwarteten 130 bis 150 Teilnehmer der Fachtagung am 7. September gehen der Frage „Warum die Menschen sich so gerne vertragen?“ nach. „Wir sollen einen Blick in die Zukunft werfen“, verrät Vorsitzender Jochen Hillenstedt. Angemeldet hat sich auch Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU). Im Festvortrag untersucht Professor Dr. Dieter Rössner (Universität Marburg) Gemeinsamkeiten zwischen Hirnforschung und kriminologischer Forschung.
