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Gew 100-prozentige Lehrerversorgung nur auf dem Papier

Rolf Bultmann

Sürwürden - Auch in vielen Schulen in der Wesermarsch gibt es einen 100-prozentige Unterrichtsversorgung nur per Statistik auf dem Papier. Tatsächlich beträgt sie teilweise nur 90 Prozent. Diese Situation werde sich auch in den nächsten Jahren wohl kaum ändern, denn es seien zu wenig Lehrer auf dem Markt und es würden auch nicht genügend Pädagogen ausgebildet, kritisierte Stefan Störmer, Vorsitzender des Bezirks Weser-Ems der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Problem Quereinsteiger

Der aus Nordenham stammende, in Leer tätige Gymnasiallehrer nahm bei der Mitgliederversammlung des GEW-Kreisverbandes in der Gaststätte Kiek mol rin in Sürwürden zur bildungspolitischen Lage Stellung. „Wer Lehrer werden möchte, kann das tun und wird auch eingestellt, dennoch gibt es einen riesigen Fehlbedarf“, sagte Stefan Störmer. Außer den Gymnasien und den Gesamtschulen seien davon die Grund-, Haupt, Real- und Oberschulen betroffen, wobei dieses Problem in der Peripherie besonders groß sei.

Das werde auch nicht dadurch beseitigt, dass Lehrkräfte von den personell gut besetzten Gymnasien vorübergehend an andere Schulen abgeordnet werden. Zudem seien die für Leistungskurse, nicht aber für den Unterricht vor Erstklässlern ausgebildet worden. Auch die Einstellung von Quereinsteigern, die in manchen Schulen bereits dramatische Formen annehme, sei keine Lösung des Lehrermangels, weil ihnen die wichtige pädagogische und psychologische Ausbildung fehle.

Ein vom Niedersächsischen Kultusministerium eingesetztes Expertengremium Arbeitszeitanalyse hat ermittelt, dass allein in Grund- und Gesamtschulen sowie Gymnasien lediglich 43 Prozent der Lehrkräfte die Arbeitszeitvorgaben einhalten. Bei 57 Prozent liegt die individuelle Arbeitszeit mit 48:38 Stunden über der 40-Stunden-Norm pro Woche. 17 Prozent der Vollzeitkräfte überschreiten sogar die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden, sagte Störmer. Die Mehrbelastung der Lehrer führe auch dazu, dass aus gesundheitlichen Gründen kaum ein Pädagoge bis zur gesetzlichen Altersgrenze unterrichtet.

Ein von Kultusminister Grant Henrik Tonne zu Beginn des 2. Schulhalbjahres 2018/19 vorgelegtes Elf-Punkte-Paket zur Entlastung der Lehrkräfte sei kaum geeignet, die Situation zu verbessern, sagte der Gewerkschaftler. Eine Erleichterung bei der Archivierung von Klassenarbeiten oder ein Zwei- statt Einjahresrhythmus für die Evaluation in den Schulen dürften sich in der Praxis nicht auf die Arbeitszeit der Pädagogen auswirken.

Höheres Gehalt

Neben flankierenden Maßnahmen bei der Einstellung von Quereinsteigern und der Abordnung von Gymnasiallehrern an andere Schulformen fordert die GEW unter anderem auch eine Anhebung des Einstiegsgehalts für Lehrer. Die Ausbildung der Lehrer an allen Schulformen sei gleichwertig und dauert sechseinhalb Jahre. Daher müssten auch alle Pädagogen mit der Gehaltsstufe A 13 beginnen. „Wenn wir vernünftigen Unterricht in allen Schulen wollen, dann muss das Land mindestens 500 Millionen Euro in die Hand nehmen“, sagte Stefan Störmer.

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