Von Werner Fademrecht
Frage:
Frau Helms, warum kann es für junge Eltern so schwer sein, eine Tagesmutter für ihr Kind zu finden?Helms:
Meine Kolleginnen und ich sind fast alle ausgelastet, da ist es nicht einfach, eine passende Lösung zu finden.Frage:
Wie viele Tagesmütter gibt es im Landkreis?Helms:
Über den Verein der Tagesmütter sind mir zehn in Hatten, sechs in Wardenburg, je drei in Wildeshausen und in Ganderkesee sowie zwei in Großenkneten bekannt. Der Landkreis hat außerdem noch eigene Tagesmütter.Frage:
Dennoch drängt sich der Eindruck auf, es müssten mehr sein? Woran liegt es, dass die von Bildungsträgern angebotenen Kurse nicht noch stärker angenommen werden?Helms:
Schauen Sie sich einmal an, was Tagesmütter leisten müssen. Allein die Flexibilität: Wir betreuen Kleinkinder – wenn erforderlich – zwischen 6.30 Uhr morgens und 21.30 Uhr abends. Ein typischer Ausbildungskurs läuft über 160 Unterrichtsstunden, die an Abenden und an Wochenenden stattfinden. Die Jugendämter verlangen von uns polizeiliche Führungszeugnisse und Gesundheitspässe für alle Familienmitglieder, Tagesmütter müssen spezielle Erste-Hilfe-Kenntnisse für Kinder unter zwei Jahren nachweisen. Eine auf fünf Jahre befristete Pflegeerlaubnis erteilt das Jugendamt nur nach Kontrollen, die Behörde legt auch die maximale Zahl der zu betreuenden Kinder fest. Glauben Sie mir, Tagesmutter ist ein Fulltime-Job, den man nicht so nebenbei macht.Frage:
Stimmt denn wenigstens die Bezahlung?Helms:
Das Jugendamt zahlt 2,50 Euro pro Stunde, die nicht versteuert werden müssen. Erziehungsberechtigte zahlen im Schnitt etwa 3,50 Euro. Eine Tagesmutter, die beispielsweise nur zwei Kinder betreut, braucht so über ein Jahr, bis ihre Ausbildungskosten wieder drin sind. Die Gemeinde Wardenburg übernimmt die Hälfte der Ausbildungskosten, das ist natürlich sehr gut. Generell müsste die Tätigkeit aber finanziell noch deutlich attraktiver werden.Edeltraut Helms ist seit acht Jahren Vorsitzende des Vereins Tagesmütter für Delmenhorst/Oldenburg/Landkreis. Sie fordert, der Fulltime-Job müsse finanziell attraktiver werden.
