Ganderkesee - Sechs Tage lang herrschte Funkstille, sechs lange Tage hörte sie nichts von ihrem Bruder auf den Philippinen – Ruth Ann Radloff aus Ganderkesee schießen immer noch die Tränen in die Augen, wenn sie an diese bangen Momente vor gut zwei Wochen zurück denkt. „Es war wirklich schrecklich“, sagt die 44-Jährige. Am 8. November fegte der Taifun „Haiyan“ quer über die Philippinen – es war der mächtigste Sturm, den das Land je erlebt hat.
Radloffs Brüder leben im Osten der Insel Panay. Einer ist Schatzmeister in der Gemeinde Dumangas, der andere ist einfacher Fischer auf einer Insel vor Panay. „Dort ist alles zerstört. Mein Bruder ist obdachlos“, sagt Radloff. Sie selbst lebt seit nunmehr 15 Jahren in Deutschland. Der Taifun prallte auf die Nordseite der Insel, zog über das Land und richtete sich dann über die Ostseite in Richtung Vietnam. „Dadurch wurde die Insel meines Bruder eben so stark getroffen“, sagt Radloff.
Bis sie überhaupt Kontakt mit ihrem Bruder aufnehmen konnte, war es eine schwierige Zeit. Durch die abgeschnittenen Kommunikationswege fühlte sich die Ganderkeseerin machtlos. „Ich habe dann einem Radiosender auf der Insel geschrieben“, erzählt sie. Dieser veröffentlichte ihre Suchanfrage, woraufhin sich ihr Bruder nach Tagen der Angst endlich meldete. „Ich habe die Hoffnung aber nie aufgegeben“, so Radloff.
Als sie alle ihre Verwandten in Sicherheit wusste, begann Ruth Ann Radloff zu überlegen, wie sie ihrem Heimatland helfen kann. „Die Hilfsorganisationen dringen nur langsam in die Region meiner Verwandtschaft vor“, sagt sie. Zusammen mit Tochter Chantal und ihrem Mann Hans-Joachim hat die Ganderkeseerin überlegt, wie sie ihrem Heimatland in 23 000 Kilometer Entfernung helfen können. Da kam die Familie auf die Idee einer Spendeninitiative. Tochter Chantal wollte dabei ihre Klasse am Gymnasium Ganderkesee einbeziehen. So wendete sich die Zwölfjährige an ihre Klassenlehrerin Karen Freund. „Die Klasse zeigte sich gleich sehr hilfsbereit“, erzählt Freund.
Jetzt sammelt die 7 d in den großen Pausen an einem Stand in der Cafeteria Geld für die Organisation „Aktion Deutschland hilft: Bündnis deutscher Hilfsorganisationen“, einem Zusammenschluss deutscher Hilfsorganisationen, die im Fall großer Katastrophen im Ausland Hilfe leisten.
Mit beklebten Sammelboxen, Fahnen und Bildern machen die Siebtklässler auf ihre Aktion aufmerksam. Zusätzlich wurde allen Eltern ein Brief übermittelt, in dem auf die Aktion aufmerksam gemacht wird. „Jetzt muss es sich herumsprechen“, so Freund. Aber nach dem ersten Kassensturz sei die Klasse schon ganz zufrieden, sagte die Lehrerin.
Ruth Ann Radloff hält derweil über soziale Netzwerke mit ihren Verwandten den Kontakt aufrecht. Die nähere Zukunft wird noch schwer für die Familie werden. „Bis zum Ende des Jahres erwarten wir noch drei bis vier starke Stürme“, sagt Hans-Joachim Radloff, „die Philippinen gehören zu den gefährlichsten Ländern, was Naturkatastrophen betrifft. Weitere Spenden können an diesem Freitag am Stand der Klasse 7d abgegeben werden oder in der kommenden Woche im Sekretariat des Gymnasiums.
