Tettens - „Das Wetter hat ja zum Glück heute mitgespielt“, freute sich Theo Köhne. Seine Wattwanderung zu der Festungsinsel Langlütjen II hatte eigentlich schon eine Woche zuvor stattfinden sollen. Aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse war die vierstündige Aktion aber kurzfristig verschoben worden.
Und auch am Ersatztermin sah es zunächst so aus, als ob die Tour wegen des angekündigten Regens verkürzt werden müsste. Doch der Dauerregen setzte just erst dann ein, als die Gruppe mit den sieben Kindern im Alter von zehn bis dreizehn Jahren und dem Leiter der städtischen Jugendarbeit, Harald Golkowski, wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Einige der Mädchen und Jungen fanden die Wanderung durch das Watt, bei der man bis zu den Knien einsackt, anstrengend, andere eher nicht. Für alle war es auf jeden Fall die erste Wattwanderung auf die im 19. Jahrhundert künstlich angelegte Weserinsel mit dem gut erhaltenen Kasemattenbau, einer Art Festung.
Einigkeit herrschte in der Gruppe auch darüber, dass der Ausflug mit den vielen Informationen über die Flora und Fauna sowie die Geschichte der ehemals preußischen Insel sehr interessant war. Kein Wunder, denn Theo Köhne kennt sich eben gut aus, und er gibt gerne sein umfangreiches Wissen weiter.
Mit einer einfachen Zeichnung im Watt erklärte er zum Beispiel das Prinzip der Gravitationskraft und der Gezeiten. Dann wieder zeigte er den jungen Wattwanderern die im Schlick lebenden Krebse und Wattwürmer oder die in den Salzwiesen beheimateten Pflanzen wie den Strandwermut.
Der mittlerweile 80-Jährige Blexer findet es schade, dass viele Aspekte des Lebens an der Küste heutzutage zu wenig in der Schule – im Sach- und Erdkundeunterricht – thematisiert werden. Das sei bei ihm früher ganz anders gewesen, erinnerte er sich.
Dabei seien die Kinder während seiner Ausführungen über die Natur sehr interessiert gewesen und hätten auch immer wieder nachgefragt. Der Sozialarbeiter Harald Golkowski sieht das ähnlich. Auch er kennt die Defizite hinsichtlich des Natur- und Umweltwissens. Deshalb sind die Wattwanderungen der beiden Männer seit vielen Jahren eine feste Größe beim Ferienpassprogramm. Bei den Ausflügen werden jedes Mal auch Glasstücke und Plastikmüll eingesammelt.
Das Betreten der Festungsinsel mit den Überresten des zunächst preußischen und später kaiserlichen Marine-Forts ist übrigens verboten und nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt.
