TOSSENS - TOSSENS/BI - Bis vor kurzem hatte die Lehrerin Gisela Baars von der Hauptschule noch ein altes, beinahe schrottreifes Fahrrad zu Hause. Inzwischen glänzt es wieder und ist absolut verkehrssicher. Zu verdanken hat sie das den beiden Praxistagen, bei denen die Sechst- bis Zehntklässler insgesamt 14 Berufsbilder erkundeten – darunter auch das des Zweiradmechanikers.

Noch viel mehr als die Lehrerin hatten aber die Schüler von den Praxistagen, denn sie konnten ausprobieren, ob ihnen ein Wunsch-Beruf liegt oder nicht. Seit Schuljahresbeginn sind in den achten und neunten Klassen insgesamt 60 Praxistage vorgeschrieben. Deshalb bietet die Hauptschule bis zu den Herbstferien für die Achtklässler an jedem Freitag einen Praxistag in einem Betrieb an.

Zusätzlich organisierte die Wirtschafts-Lehrerin Anke Block jetzt erstmals die beiden Praxistage für nahezu alle Schüler. „Je früher die Schüler merken, wo ihre Fähigkeiten liegen, desto besser“, sagt der Schulleiter Hans-Jürgen Küper.

Lehrer informierten die Schüler über Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz, Inhalte der Ausbildung und Aufstiegsmöglichkeiten. Zusätzliche Beratung bot der Berufsberater Kai Schiwy von der Arbeitsagentur. Für den Praxisteil waren sowohl Lehrer als auch Unternehmen zuständig. So baute Hans-Jürgen Küper mit möglichen künftigen Zimmermännern Nistkästen und Rainer Mitscherlich verlegte Fliesen.

Zu den Zweiradmechanikern kam ein Mitarbeiter der Rasteder Firma Stückemann, die Bäcker-Gruppe besuchte die Bäckerei Lübben in Eckwarden, angehende Erzieher erarbeiteten Spiele und probierten sie tags darauf im Tossenser Kindergarten aus. Künftige Krankenpfleger stellten in der Firma Auffarth fest, wie schwer es ist, ein Bett zu beziehen, wenn jemand drin liegt und angehende Friseurinnen gestalteten im Frisiersalon „Nordseewelle“ unter fachlicher Anleitung neue Frisuren am eigenen Kopf.

Insgesamt zeigte sich, dass durchaus geschlechtsspezifisch gewählt wurde. Jungen drängten in Richtung Zimmermann, Dachdecker, Maurer und Landwirt, Mädchen gingen in Richtung Friseurin, Kosmetikerin und Floristin. Gemischt besetzt waren die Gruppen Fotograf, Erzieher und Kaufmann.