Tweel - „Traumwolke“ – ein poetischer Name für einen nüchternen Container. „Wir machen es uns hier gemütlich“, sagt Bärbel Dellwisch, Leiterin der Christophorus-Kindertagesstätte in Tweel. Große Teppiche sollen den Lärm schlucken, an die Wände kommen noch Bilder. Dabei sollen die Kinder selber mithelfen.

Insgesamt gibt es 69 Anmeldungen für die Kita in Tweel. Platz für 25 Kinder bietet der Container, der auf dem Hof zwischen Grundschule und Kindergarten aufgestellt worden war. 18 Kinder werden zunächst ab diesen Donnerstag zusätzlich kommen. Es könnten noch welche dazukommen. In der kommenden Woche treffen sich die Leiterinnen der Kindertagesstätten in der Gemeinde Garrel, um die Situation zu besprechen, sagt Bärbel Dellwisch.

Entschieden wird danach auch, ob ein Kindergarten-Bus fahren wird, der aus dem Ort Garrel Kinder nach Nikolausdorf oder Beverbruch bringt, sagt Bürgermeister Andreas Bartels. Sicherlich sei der Christophorus-Kindergarten aber alleine durch die Nähe erste Wahl für Garreler Eltern.

Im Kindergarten St. Nikolaus in Nikolausdorf – in kirchlicher Trägerschaft – könnten noch 15 Kinder zusätzlich untergebracht werden, im kommunalen Josefs-Kindergarten in Beverbruch noch 13 Kinder – wenn die Kleingruppe in eine Großgruppe umgewandelt werden würde. Voraussetzungen sind zusätzliche Erzieherinnen. Um für sie die Gemeinde als Arbeitgeber attraktiv zu machen, habe man in den vergangenen Monaten Zeitverträge in feste Verträge umgewandelt, betont Bürgermeister Bartels.

Eine Nachmittagsgruppe soll die Situation weiter entzerren. Die Kindertagesstätte St. Peter und Paul hatte signalisiert, diese anbieten zu wollen. An fünf Nachmittagen in der Woche werden die Kinder für jeweils vier Stunden betreut. Auf welche Resonanz das Angebot stoßen wird, bleibt abzuwarten. Ein Großteil der Eltern wird vermutlich eher auf Betreuung am Vormittag angewiesen sein.

Die „Traumwolke“ beziehen die Kinder, die im kommenden Jahr in die Schule kommen. Eine Klimaanlage kühlt den Container an heißen Tagen, im Winter wärmt die Elektroheizung. Eine breite Fensterfront lässt jede Menge Licht herein, künstliches scheint breit gestreut von der Decke. „Alles so angeliefert“, berichtet Carsten Blanke vom Bauamt der Gemeinde. Einige Jahre auf dem Buckel haben dagegen die Möbel. Neue seien zwar bestellt, aber noch nicht geliefert, sagt Blanke, „lange Lieferzeiten“.

Angemietet ist der Container, der als Zwischenlösung dient, zunächst für ein Jahr – Kosten: 26 000 Euro inklusive Montage. Wie es danach weitergeht, werde man sehen, so Verwaltungschef Bartels. Er geht davon aus, dass es künftig einen noch größeren „Run“ auf die Kindertagesstätten gibt – ausgelöst auch durch die Wahlversprechen mehrerer Parteien, Kindergarten-Gebühren abschaffen zu wollen. Bartels kommentiert, er würde sich eine stufenweise Einführung der Gebührenfreiheit wünschen, um den Mehrbedarf auch abdecken zu können.

Der Bürgermeister glaubt, in den nächsten Jahren werde die Betreuung von Kindern ab dem ersten Lebensjahr bis zu täglich acht Stunden gefordert werden. Um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, soll auch ein neuer Kindergarten in Garrel gebaut werden. Der endgültige Standort dafür sei noch nicht gefunden, gleichwohl gebe es einen Favoriten, sagt Bartels.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)