Berne - „Eigentlich nichts“, sagt Jutta Wieker, als sie gefragt wird, was jemand mitbringen muss, der sich mit Yoga beschäftigen will. Doch dann ergänzt sie schnell: „Geduld, viel Geduld!“ Denn ohne diese sei es schwer möglich, von den Vorteilen der Entspannungstechnik, die auf eine indische philosophische und religiöse Lehre zurückführt, zu profitieren.
„Eigentlich ist dies wie im Sport. Da reicht auch eine Übungseinheit nicht aus, um Fortschritte zu erzielen“, nennt sie ein Beispiel, das bei vielen Menschen nachvollziehbar ist. Während man aber bei der körperlichen Bewegung schnell ins Schwitzen kommt, ist die Entwicklung, die mit Yoga eingeleitet wird, eher eine langsame, eine dauerhafte.
Ziel von Yoga ist es in der Auslegung von Jutta Wieker, den Kopf frei zu bekommen und mit sich selbst ins Gleichgewicht zu kommen. Ein Ziel, das oft nur schwer zu erreichen ist in dieser leistungsorientierten Zeit, in der es immer darum geht, mehr und alles schneller zu leisten.
„Es fällt vielen Teilnehmern schwer, loszulassen und die Gedanken auszuschalten“, weiß sie aus ihrer eigenen Arbeit. Auch werde oft der Vergleich zu anderen Teilnehmern eines Yoga-Kursus gezogen, ergänzt die Yoga-Lehrerin, die vor 30 Jahren zum Yoga gekommen ist und es seitdem unterrichtet.
Erst sei Yoga noch etwas Spirituelles gewesen, das auch von Ärzten nicht akzeptiert wurde. Mittlerweile ist Yoga auch bei Medizinern als Möglichkeit anerkannt, bei Leiden zu helfen, weiß sie. „Denn diese Art der Entspannung dient auch dazu, Blockaden zu lösen“, erklärt sie. Gelänge dies, würde sich ein Wohlbefinden einstellen.
Es sind kleine Schritte, durch die Yoga zum Wohlbefinden führe. Man müsse den Körper wahrnehmen, ebenso die Atmung, sagt sie ruhig. Danach würden kleine Bewegungen gelehrt – erst getrennt voneinander, danach als Übungsfolge. Am Ende der Ananas (einzelnen Übungsteile) stehen Elemente wie der Sonnen- oder der Mondgruß. Nur gelegentlich zu üben, bringe nicht viel, sagt sie. „Das Regelmäßige ist von Nutzen“, ergänzt sie. Dann werde man erkennen, dass es Fortschritte gebe – auch werde man beweglicher. Herz und Kreislauf würden in dem Maße stabiler, in dem das körperliche Wohlbefinden wachse.
Über allem aber stehe, dass jeder nur das mache, was er kann und was ihm gut tut, rät Jutta Wieker. Und wenn man körperliche Einschränkungen habe, biete Yoga viele Wege an, dennoch zum Ziel zu kommen. „Jeder geht seinen eigenen Weg“, erläutert die Lehrerin.
„Bei manchem dauere es länger, bis er zum Ziel kommt, bei anderen geht es schneller“, weiß Jutta Wieker und betont erneut: „Man braucht Geduld, viel Geduld!“.
